Serienmord & Wahnsinn

Wahre Fälle. Wahre Täter. Wahnsinn pur.

Die Schwarze Witwe von La Porte

Wie Belle Gunness verschwand – und ein Massengrab zurückließ

06.05.2026 24 min

Zusammenfassung & Show Notes

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Einstieg: Der Brand in der Nacht 

Es war die Nacht des 28. April 1908, als Flammen den Himmel über einer abgelegenen Farm nahe La Porte, Indiana, färbten. Das Holzhaus stand in Vollbrand, Funken stoben in den Wind, während Nachbarn aus ihren Betten eilten. Es war ein vertrautes Gebäude, gehörte einer Frau, die man in der Gegend kannte: groß, kräftig, zurückgezogen. Ihr Name: Belle Gunness. 

Als das Feuer schließlich erlosch, blieb nur ein verkohltes Skelett zurück – und die Erwartung, dass die Besitzerin tot sei. Doch die Ermittler fanden etwas, das nicht passte: eine kopflose Leiche, deutlich kleiner als die Frau, die sie darstellen sollte. 

Was zunächst wie ein tragischer Hausbrand erschien, entwickelte sich rasch zu einem der rätselhaftesten und erschütterndsten Kriminalfälle der amerikanischen Geschichte. 

 
Hintergrund: Eine Frau aus Norwegen 

Geboren wurde Belle Gunness 1859 als Brynhild Paulsdatter Størseth in Selbu, Norwegen. Ihre Kindheit verlief in einfachen Verhältnissen, geprägt von harter Arbeit und sozialer Enge. Berichte aus ihrer Jugend zeichnen das Bild einer stillen, aber robusten jungen Frau. Eine oft zitierte, jedoch nicht eindeutig belegte Episode beschreibt, wie sie schwanger gewesen sein soll und nach einem gewaltsamen Angriff ihr Kind verlor. Ob dieses Ereignis tatsächlich stattfand, bleibt ungewiss – doch es wurde später als möglicher Wendepunkt in ihrer Biografie interpretiert. 

1881 wanderte sie in die Vereinigten Staaten aus. Wie viele Einwanderer suchte sie dort ein besseres Leben. Sie ließ sich zunächst in Chicago nieder, heiratete und begann ein Leben, das äußerlich stabil wirkte. 

Doch hinter dieser Fassade häuften sich auffällige Todesfälle. 

 
Die ersten Verluste – und Versicherungen 

Ihr erster Ehemann, Mads Sorenson, starb 1900. Offiziell an Herzversagen. Doch auffällig war, dass er an einem Tag starb, an dem zwei seiner Lebensversicherungen gleichzeitig ausliefen – beide wurden ausgezahlt. 

Zuvor waren bereits mehrere Kinder des Paares unter ungewöhnlichen Umständen gestorben. Offiziell wurden Krankheiten als Ursache angegeben, doch spätere Ermittlungen stellten diese Diagnosen infrage. 

Nach dem Tod ihres Mannes zog Belle Gunness nach Indiana und kaufte eine Farm nahe La Porte. Dort begann ein neues Kapitel – eines, das bald von einer Serie mysteriöser Vermisstenfälle begleitet wurde. 

 
Tatmuster: Kontaktanzeigen und verschwundene Männer 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nutzte Belle Gunness ein Medium, das damals weit verbreitet war: Zeitungsannoncen. Sie gab Kontaktanzeigen auf, in denen sie sich als wohlhabende Witwe mit Farm präsentierte, die einen zuverlässigen Mann suche. 

Die Resonanz war groß. Männer aus verschiedenen Teilen der USA – oft alleinstehend, häufig mit etwas Vermögen – antworteten auf ihre Anzeigen. Einige reisten nach La Porte, angeblich mit Ersparnissen im Gepäck, um ein neues Leben zu beginnen. 

Viele von ihnen wurden nie wieder gesehen. 

Nachbarn berichteten später, dass immer wieder fremde Männer auf der Farm ankamen – und ebenso regelmäßig verschwanden. Belle erklärte dies damit, dass sie weitergereist seien oder sich anders entschieden hätten. 

Doch es gab keine Briefe, keine Spuren, keine Rückmeldungen. 

 
Der zweite Ehemann und weitere Ungereimtheiten 

1902 heiratete sie erneut: Peter Gunness, ein Witwer mit Kindern. Kurz nach der Hochzeit starb eines seiner Kinder unter ungeklärten Umständen. Wenige Monate später kam auch er ums Leben – angeblich durch einen Unfall, bei dem eine schwere Fleischmaschine auf ihn gefallen sei. 

Auch hier wurde eine Versicherungssumme ausgezahlt. 

Die Häufung von Todesfällen in ihrem Umfeld begann aufzufallen – doch konkrete Beweise fehlten zunächst. 

 
Das Massengrab auf der Farm 

Nach dem Brand im Jahr 1908 begannen die Ermittler, das Gelände der Farm systematisch zu durchsuchen. Was sie fanden, erschütterte selbst erfahrene Beamte. 

Im Garten, unter frisch umgegrabener Erde, entdeckten sie menschliche Überreste. Zunächst einzelne Knochen, dann vollständige Skelette – zerstückelt, teils verbrannt, teils vergraben. 

Insgesamt wurden die Überreste von mindestens einem Dutzend Menschen gefunden. Einige Schätzungen gehen von deutlich mehr Opfern aus. 

Die Identifizierung war schwierig. Doch persönliche Gegenstände, Briefe und Zeugenaussagen führten zu einer erschreckenden Erkenntnis: Viele der Vermissten waren Männer, die auf ihre Kontaktanzeigen geantwortet hatten. 

 
Ermittlungen: Ein Netz aus Täuschung 

Die Ermittlungen konzentrierten sich zunehmend auf Belle Gunness selbst. War sie unter den Toten – oder hatte sie ihren eigenen Tod inszeniert? 

Ein entscheidender Hinweis kam von Ray Lamphere, einem ehemaligen Angestellten der Farm. Er war zuvor wegen Belästigung verhaftet worden und hatte eine komplizierte Beziehung zu Gunness. 

Lamphere wurde verdächtigt, das Feuer gelegt zu haben. Während seiner Verhöre äußerte er den Verdacht, dass Belle Gunness noch lebte. Er beschrieb, wie sie Männer betäubt oder vergiftet habe, bevor sie ihre Körper zerstückelte und vergrub. 

Seine Aussagen waren detailliert, aber nicht in allen Punkten überprüfbar. 

 
Der Prozess gegen Lamphere 

Ray Lamphere wurde wegen Brandstiftung angeklagt. Der Prozess zog große öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Die Frage, ob Belle Gunness tot oder auf der Flucht sei, dominierte die Berichterstattung. 

Lamphere wurde schließlich wegen Brandstiftung verurteilt, jedoch nicht wegen Mordes. Er starb später im Gefängnis an Tuberkulose. 

Vor seinem Tod soll er einem Pfarrer gegenüber erklärt haben, dass Belle Gunness das Feuer selbst geplant habe, um ihre Spuren zu verwischen und zu verschwinden. 

 
War Belle Gunness unter den Toten? 

Die Identität der im Haus gefundenen Frauenleiche blieb umstritten. Die Körpergröße passte nicht zu Gunness, ebenso wenig das Gewicht. Zudem fehlte der Kopf – was eine Identifizierung zusätzlich erschwerte. 

Einige Ermittler hielten es für wahrscheinlich, dass sie eine andere Frau als Doppelgängerin genutzt hatte, um ihren Tod vorzutäuschen. 

Berichte über Sichtungen einer Frau, die ihr ähnelte, tauchten in den Jahren danach immer wieder auf – jedoch ohne definitive Bestätigung. 

Bis heute gilt ihr Schicksal als ungeklärt. 

 
Motiv: Gier, Kontrolle und Täuschung 

Die Ermittlungen deuteten darauf hin, dass finanzielle Motive eine zentrale Rolle spielten. Viele der Opfer hatten Geld bei sich oder hatten zuvor ihr Vermögen liquidiert. 

Doch es ging offenbar nicht nur um Geld. Die systematische Vorgehensweise, die Täuschung über lange Zeiträume und die Kontrolle über ihre Opfer weisen auf ein komplexeres Motivbild hin. 

Belle Gunness agierte planvoll, geduldig und mit hoher sozialer Anpassungsfähigkeit. Sie nutzte gesellschaftliche Erwartungen – etwa die Rolle der hilfsbedürftigen Witwe – gezielt aus. 

 
Medien und Öffentlichkeit 

Der Fall sorgte landesweit für Schlagzeilen. Zeitungen berichteten ausführlich über die „Lady Bluebeard“, wie sie bald genannt wurde – eine Anspielung auf die Märchenfigur, die seine Frauen ermordete. 

Die Berichterstattung war oft sensationsgeladen, doch sie spiegelte auch die Faszination und das Entsetzen wider, das der Fall auslöste. 

Eine Frau als Serienmörderin widersprach den damaligen Vorstellungen von Geschlechterrollen – und machte den Fall besonders außergewöhnlich. 

 
Rückwirkungen und Einordnung 

Der Fall Belle Gunness gilt bis heute als einer der bedeutendsten Serienmordfälle der USA. Er zeigt, wie Täuschung, soziale Isolation und fehlende Vernetzung der Behörden kriminelles Handeln begünstigen konnten. 

Er wirft auch Fragen auf:
 Wie viele Opfer gab es tatsächlich?
 Wie konnte sie so lange unentdeckt bleiben?
 Und: Entkam sie wirklich? 

Die Antworten darauf bleiben unvollständig. 

 
Schlussbetrachtung 

Die Geschichte von Belle Gunness endet nicht mit einem Urteil. Es gibt keinen abschließenden Beweis, kein klares Ende. Stattdessen bleibt ein Feld aus Indizien, Zeugenaussagen und offenen Fragen. 

Der Brand von La Porte war kein Abschluss – sondern der Beginn eines Mythos. 

Bis heute steht ihr Name für ein Verbrechen, das sich nicht vollständig aufklären ließ. Für eine Täterin, die möglicherweise spurlos verschwand. Und für Opfer, deren Geschichten erst Jahrzehnte später ans Licht kamen. 

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