Die Frau im Haus von Moorhouse
Der Fall Catherine Birnie, die Mitläuferin, die Täterin – und die Frage nach Schuld
11.02.2026
Zusammenfassung & Show Notes
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Einstieg – Der Moment der Entdeckung
Es war ein heißer Februartag des Jahres 1986, als Kate Moir barfuß und mit aufgerissenen Augen durch die Straßen von Huntingdale rannte, einem unscheinbaren Vorort von Perth. Ihre Füße schlugen auf den Asphalt, während hinter ihr das Haus lag, aus dem sie gerade entkommen war: Nummer 23 in der Moorhouse Street. In diesem Moment wusste sie nur eines – wenn sie jetzt stehen blieb, würde sie sterben. Wenige Minuten später saß sie in einem Polizeiwagen und erzählte, stockend, bruchstückhaft, von Handschellen, von Ketten, von einem Ehepaar, das junge Frauen gefangen hielt. Von einem Mann. Und von einer Frau.
Als die Polizei noch am selben Abend das Haus in der Moorhouse Street betrat, ahnte niemand, dass sie auf einen der erschütterndsten Kriminalfälle der australischen Geschichte stoßen würde. Unter dem frisch umgegrabenen Rasen des Hinterhofs lagen Leichen. Vier junge Frauen, verschwunden in den Monaten zuvor. Und im Wohnzimmer saß Catherine Birnie, ruhig, gefasst, scheinbar kooperativ. Neben ihr: ihr Ehemann David Birnie. Die „Moorhouse-Mörder“ waren gefasst.
Hintergrund – Täter und Opfer
Catherine Joan Birnie wurde 1951 in Großbritannien geboren und wanderte als Kind mit ihrer Familie nach Australien aus. Ihre Kindheit war geprägt von Instabilität, Vernachlässigung und frühem Kontakt mit Gewalt. Schon als Jugendliche fiel sie durch Schulabbrüche, frühe Schwangerschaften und problematische Beziehungen auf. Freunde beschrieben sie später als emotional abhängig, konfliktscheu, aber auch manipulierbar. Andere wiederum sprachen von einer Frau, die gelernt hatte, sich anzupassen, um zu überleben.
David Birnie, 1951 ebenfalls in England geboren, galt als intelligent, kontrollierend und charismatisch. In Beziehungen zeigte er früh sadistische Züge. Mehrere frühere Partnerinnen berichteten später von Gewalt, sexuellen Übergriffen und psychischem Terror. Als Catherine und David sich Anfang der 1980er Jahre kennenlernten, entwickelte sich rasch eine symbiotische Beziehung, geprägt von Dominanz und Unterwerfung. Sie heirateten 1984.
Die Opfer der Birnies waren junge Frauen zwischen 15 und 31 Jahren. Sie hießen Susan Ann Hunt, Jane Gardiner, Deborah Hockenberry und Lorraine Glennon. Jede von ihnen hatte ein eigenes Leben, eigene Hoffnungen, eigene Geschichten. Einige waren per Anhalter unterwegs, andere warteten auf Busse oder bewegten sich nachts allein durch die Stadt – Umstände, die sie für die Täter erreichbar machten. Was sie verband, war nicht ein bestimmter Lebensstil, sondern ihre Verletzlichkeit im falschen Moment.
Tatserie – Chronologie des Grauens
Die Mordserie begann im August 1986. David und Catherine Birnie fuhren mit ihrem Auto durch die Straßen von Perth, sprachen junge Frauen an, boten Mitfahrgelegenheiten an. Catherine spielte dabei eine entscheidende Rolle: Sie saß auf dem Beifahrersitz, lächelte, vermittelte Sicherheit. Für viele der Opfer war ihre Anwesenheit der Grund, einzusteigen.
Nach der Entführung wurden die Frauen in das Haus in der Moorhouse Street gebracht. Dort folgten Tage oder Wochen der Gefangenschaft. Die Frauen wurden angekettet, misshandelt, sexuell missbraucht. Die Gewalt eskalierte schrittweise. Schließlich wurden die Opfer getötet – durch Strangulation oder Ersticken – und im Garten vergraben.
Die Taten folgten einem Muster, das Ermittler später als „ritualisiert“ beschrieben. Catherine war nicht nur passive Zeugin. Sie half beim Fesseln, beim Bewachen, bei der Verschleierung der Taten. In späteren Vernehmungen gab sie an, aus Angst gehandelt zu haben, unter dem psychischen Druck ihres Mannes. Die Staatsanwaltschaft hielt dagegen: Ohne ihre aktive Beteiligung, ohne ihr Mitwirken bei der Anbahnung der Opfer, wären die Taten so nicht möglich gewesen.
Im Februar 1986 versuchten die Birnies, ein weiteres Opfer festzuhalten. Kate Moir jedoch nutzte einen unbeobachteten Moment und floh. Ihre Aussage führte unmittelbar zur Festnahme des Paares und zur Durchsuchung des Hauses.
Ermittlungen – Beweise und Abgründe
Die Ermittlungen offenbarten ein Ausmaß an Brutalität, das selbst erfahrene Polizisten erschütterte. In dem Haus fanden sich Handschellen, Seile, Ketten, Videokassetten, Tagebuchaufzeichnungen. Die Gartengräber bestätigten Moirs Aussagen bis ins Detail.
Besonders belastend für Catherine Birnie waren Zeugenaussagen und eigene Aussagen aus den Vernehmungen. Mehrfach hatte sie Gelegenheit gehabt zu fliehen oder Hilfe zu holen. Mehrfach hatte sie aktiv dazu beigetragen, Opfer zu beruhigen oder zu kontrollieren. Ermittler beschrieben sie später als „emotional abhängig, aber handlungsfähig“.
Die Öffentlichkeit reagierte mit Entsetzen – und mit einer besonderen Faszination für die Rolle der Frau im Täterduo. War Catherine Birnie Opfer häuslicher Gewalt? Oder gleichberechtigte Täterin? Die Ermittlungsakten zeichneten ein komplexes Bild: von Manipulation, aber auch von eigenständigen Entscheidungen.
Prozess & Urteil
Der Prozess gegen Catherine und David Birnie begann 1987 und wurde zu einem der meistbeachteten Strafverfahren Australiens. Catherine Birnie bekannte sich schuldig zu vier Morden. Damit ersparte sie den Angehörigen der Opfer einen langen Beweisprozess. Ihre Verteidigung argumentierte, sie habe unter extremer psychischer Kontrolle ihres Mannes gestanden.
Das Gericht folgte dieser Argumentation nur teilweise. Catherine Birnie wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, mit einer Mindesthaftdauer von 20 Jahren. David Birnie erhielt ebenfalls lebenslang. Er starb 2005 in der Haft durch Suizid.
Catherine Birnie blieb im Gefängnis. Mehrfach stellte sie Anträge auf vorzeitige Entlassung, die abgelehnt wurden. Erst Jahrzehnte später, nach intensiver Prüfung, psychologischen Gutachten und unter strengen Auflagen, wurde sie entlassen.
Rückwirkungen – Schuld, Verantwortung, Erinnerung
Der Fall Birnie veränderte Australien. Er führte zu Debatten über die Sicherheit von Frauen im öffentlichen Raum, über Täterinnen, über die Dynamik missbräuchlicher Beziehungen. Medien prägten den Begriff der „female accomplice“, der weiblichen Mittäterin, neu – nicht als Randfigur, sondern als eigenständige Akteurin.
Für die Angehörigen der Opfer blieb der Schmerz. Viele kritisierten die spätere Freilassung Catherine Birnies als Schlag ins Gesicht. Andere sahen darin die konsequente Anwendung rechtsstaatlicher Prinzipien.
Der Fall wirft bis heute Fragen auf: Wie viel Verantwortung trägt ein Mensch, der unter Kontrolle steht? Wo endet das Opfersein und beginnt die Täterschaft? Catherine Birnie bleibt eine der umstrittensten Figuren der australischen Kriminalgeschichte – nicht nur wegen dessen, was sie getan hat, sondern wegen dessen, was ihr Fall über Macht, Abhängigkeit und moralische Verantwortung erzählt.