Der Serpent des Hippie-Trails
Charles Sobhraj und die mörderische Jagd durch Asien
28.01.2026
Zusammenfassung & Show Notes
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Einstieg – Die Tür im Kathmandutal
Es war ein unscheinbarer Morgen im September 2003, als sich in einem Hotel in Kathmandu eine Tür schloss, die sich für Charles Sobhraj nicht mehr öffnen sollte. Der Mann, der sich jahrzehntelang durch Kontinente und Identitäten bewegt hatte, saß an einem Tisch, bestellte Kaffee und Croissants und glaubte, erneut den Behörden entkommen zu sein. Er hatte Journalisten eingeladen, suchte Öffentlichkeit, wollte seine Geschichte kontrollieren. Doch während er sprach, warteten Polizisten im Hintergrund. Wenige Minuten später klickten Handschellen. Für einen der berüchtigtsten Serienmörder des 20. Jahrhunderts endete damit eine Flucht, die mehr als dreißig Jahre gedauert hatte.
Hintergrund – Ein Leben zwischen Verführung und Verbrechen
Charles Sobhraj wurde 1944 in Saigon geboren, im damaligen Französisch-Indochina. Seine Mutter war Vietnamesin, sein Vater ein indischer Geschäftsmann, der die Vaterschaft bestritt. Diese frühe Zurückweisung prägte sein Selbstbild nachhaltig. Sobhraj wuchs zwischen Ländern und Kulturen auf, verbrachte Teile seiner Jugend in Frankreich und entwickelte früh ein Talent für Täuschung, Manipulation und Betrug.
Schon als junger Mann geriet er mit dem Gesetz in Konflikt. Diebstähle, Betrügereien, kleinere Haftstrafen – Sobhraj lernte schnell die Mechanismen von Justizsystemen kennen und wie man sie ausnutzte. Er inszenierte Hungerstreiks, täuschte Krankheiten vor, gewann das Vertrauen von Mitgefangenen und Wärtern. Gefängnisse wurden für ihn nicht zu Endstationen, sondern zu Ausbildungsstätten.
In den späten 1960er-Jahren zog es ihn nach Südostasien. Der sogenannte Hippie-Trail – die Reiseroute junger westlicher Aussteiger von Europa bis nach Indien, Nepal und Thailand – bot ideale Bedingungen: Reisende mit wenig Geld, viel Vertrauen und kaum familiäre Anbindung. Menschen, deren Verschwinden oft erst spät bemerkt wurde.
Die Opfer – Suchende auf der Durchreise
Die Opfer von Charles Sobhraj waren überwiegend junge Touristen aus Europa, Nordamerika und Australien. Sie reisten auf der Suche nach Freiheit, Spiritualität oder Abenteuer. Viele von ihnen hinterließen kaum Spuren, wechselten häufig Unterkünfte, lebten von Tag zu Tag. Genau das machte sie verletzlich.
Sobhraj verstand es, Nähe herzustellen. Er gab sich als Diamantenhändler, Kunstsammler oder Diplomatensohn aus. Er lud zu Abendessen ein, half bei Passproblemen, bot Unterkunft an. Wer in seine Nähe kam, geriet in ein Netz aus Abhängigkeit, Drogen und Manipulation. Einige Opfer wurden vergiftet, andere erwürgt oder auf andere Weise getötet. In mehreren Fällen versuchte Sobhraj, Todesfälle als Unfälle oder Überdosierungen darzustellen.
Die Tatserie – Mord entlang des Hippie-Trails
Zwischen 1970 und 1976 bewegte sich Charles Sobhraj durch Thailand, Nepal, Indien und angrenzende Länder. Die Taten folgten keinem willkürlichen Muster, sondern einer klaren Logik: Er wählte Opfer, die ihm nützlich waren oder ihm im Weg standen. Reisepässe wurden gestohlen, Identitäten übernommen, Vermögenswerte verkauft.
In Bangkok tauchten die ersten Leichen auf. Eine junge Frau wurde tot in einem Pool gefunden, ein anderes Opfer verbrannt am Straßenrand entdeckt. Die Ermittlungen verliefen schleppend. Internationale Kommunikation war langsam, Datenbanken existierten kaum. Sobhraj wechselte ständig Aufenthaltsorte und Namen.
Besonders bekannt wurde der Fall zweier französischer Studenten, deren Verschwinden schließlich Aufmerksamkeit in Europa erregte. Ihre Familien drängten auf Aufklärung, Medien begannen zu recherchieren. Die Verbindungen führten immer wieder zu demselben Mann, der unter wechselnden Aliasnamen auftrat.
Ermittlungen – Der lange Weg zur Identifizierung
Eine zentrale Rolle spielte ein niederländischer Diplomat in Bangkok, der auf eigene Faust begann, Vermisstenfälle zu vergleichen. Er sammelte Passkopien, Fotos, Zeugenaussagen. Stück für Stück entstand ein Bild. In internen Berichten wurde Sobhraj als „äußerst intelligent, charmant und gefährlich“ beschrieben.
1976 gelang es indischen Behörden schließlich, ihn festzunehmen. Der Auslöser war ein gescheiterter Vergiftungsversuch an einer Gruppe französischer Touristen in Neu-Delhi. Die Opfer überlebten, Sobhraj wurde überwältigt. In Indien verurteilte man ihn zu einer langen Haftstrafe wegen Mordes und Betrugs.
Doch selbst im Gefängnis blieb er aktiv. Er organisierte Partys für Mitgefangene, bestach Wärter, plante Fluchten. 1986 gelang ihm tatsächlich ein spektakulärer Ausbruch, der jedoch nur kurz währte. Die erneute Festnahme verlängerte seine Haft – ein zynischer Triumph für einen Mann, der wusste, dass Zeit sein größter Verbündeter war.
Prozess und Urteil – Gerechtigkeit mit Verzögerung
Nach 21 Jahren Haft wurde Charles Sobhraj 1997 aus einem indischen Gefängnis entlassen. Die meisten internationalen Haftbefehle galten als verjährt. Er kehrte nach Frankreich zurück, gab Interviews, präsentierte sich als Opfer von Justizirrtümern. Doch sein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit wurde ihm zum Verhängnis.
2003 reiste er erneut nach Nepal – ein fataler Fehler. Dort wurde er wegen eines Mordes aus dem Jahr 1975 angeklagt: der Tötung der US-Amerikanerin Connie Jo Bronzich. Der Prozess zog sich über Monate. Zeugen sagten aus, alte Beweise wurden neu bewertet. 2004 verurteilte ein nepalesisches Gericht Sobhraj zu lebenslanger Haft.
2014 folgte ein weiteres Urteil wegen eines zweiten Mordes. Sobhraj, inzwischen gesundheitlich angeschlagen, blieb dennoch eine schillernde Figur. Er heiratete im Gefängnis, gab Interviews, schrieb Briefe. Für viele Angehörige der Opfer wirkte dies wie eine Fortsetzung der Demütigung.
Rückwirkungen – Mythos, Medien und Moral
Charles Sobhraj wurde zur Ikone des Bösen, zum Stoff für Bücher, Dokumentationen und Serien. Der Spitzname „Der Serpent“ oder „Bikini-Killer“ prägte Schlagzeilen. Kritiker warfen den Medien vor, Täter zu glorifizieren und Opfer zu vergessen. Befürworter argumentierten, dass nur durch Öffentlichkeit strukturelle Versäumnisse sichtbar würden: fehlende internationale Polizeikooperation, Schutzlosigkeit von Reisenden, koloniale Blindstellen.
2022 ordnete das Oberste Gericht Nepals seine Freilassung aus gesundheitlichen Gründen an. Sobhraj wurde nach Frankreich abgeschoben. Für viele blieb ein bitterer Nachgeschmack. Die juristische Aufarbeitung war abgeschlossen, die moralische nicht.
Der Fall Charles Sobhraj zeigte, wie leicht Charisma und Intelligenz zu Waffen werden konnten, wenn Systeme versagten. Er war kein Monster im klassischen Sinne, sondern ein Mensch, der Schwächen erkannte und ausnutzte – in Individuen wie in Institutionen.