Serienmord & Wahnsinn

Wahre Fälle. Wahre Täter. Wahnsinn pur.

Der Mann mit dem Koffer

Alexander Skrynnik und die Mordserie, die Kischinjow in Angst versetzte

30.09.2026 26 min

Zusammenfassung & Show Notes

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Ein Koffer vor der Tür 

Kischinjow, 1980. Die Sowjetunion bereitete sich auf die Olympischen Spiele in Moskau vor, im Fernsehen liefen Bilder von einer scheinbar unbeschwerten Zeit. Doch in der moldauischen Hauptstadt begann sich unter dieser Oberfläche eine Geschichte zu entwickeln, die selbst erfahrene Ermittler vor ein Rätsel stellte. 

Vor der Wohnung des Bekannten von Alexander Skrynnik stand eines Tages ein Koffer. Was darin lag, war zunächst kaum zu begreifen. Im Inneren befand sich der Kopf einer Frau. 

Der Fund war nicht nur ein Mordfall. Er war eine Botschaft. 

Der Täter hatte den Kopf nicht einfach versteckt. Er hatte ihn gezielt zu einem Mann gebracht, den er kannte, und eine Nachricht hinterlassen. Es ging um Geld und um Drohungen gegen die Familie des Empfängers. Für die Ermittler bedeutete das zunächst, dass sie es möglicherweise nicht mit einem gewöhnlichen Raub- oder Beziehungsdelikt zu tun hatten. Jemand wollte Angst erzeugen. Und jemand wollte, dass eine ganz bestimmte Person Angst bekam. 

Noch schwieriger war eine andere Frage: Wer war die Frau? 

Die Identifizierung der Toten wurde zum ersten großen Problem der Ermittler. Der Täter hatte die Leiche so schwer verstümmelt, dass die üblichen Möglichkeiten zur Identifizierung nicht ausreichten. Schließlich wurde eine außergewöhnliche Entscheidung getroffen. Der Kopf der unbekannten Frau wurde im Fernsehen gezeigt. 

Es war ein Schritt, der heute kaum vorstellbar wäre. Doch er führte zum Ziel. 

Ein siebenjähriger Junge erkannte die Frau als seine Mutter, Irina Trasyn. Er hatte sie seit Tagen nicht gesehen. Mit der Identifizierung bekam das Opfer einen Namen zurück – und die Ermittler erhielten einen ersten festen Punkt in einem Fall, der sich gerade erst entwickelte. Der Junge wurde anschließend in einem Kinderheim untergebracht. 

Ein unauffälliger Mann 

Alexander Iwanowitsch Skrynnik war kein Mann, bei dem seine Umgebung einen Serienmörder vermutet hätte. 

Sein genaues Geburtsdatum und manche Einzelheiten seiner frühen Biografie sind bis heute nicht eindeutig überliefert. In den verfügbaren Darstellungen wird er Anfang der 1950er-Jahre geboren. Er stammte aus der Moldauischen SSR und lebte später in Kischinjow. 

Er war verheiratet und Vater. Beruflich arbeitete er unter anderem als Tischler beziehungsweise als Arbeiter in der Kischinjower Süßwarenfabrik Bucuria. Dort galt er offenbar als fleißiger und erfolgreicher Mitarbeiter. Er war Produktionsauszeichner und Kandidat für die Kommunistische Partei. Nach außen entsprach sein Leben damit weitgehend dem Bild eines gewöhnlichen sowjetischen Arbeiters und Familienvaters. 

Doch hinter dieser Fassade entwickelte sich ein ausgeprägter Hass auf Frauen. 

Berichten über seine Aussagen zufolge empfand Skrynnik sein Privatleben als gescheitert. Nach der Geburt eines Kindes habe er erkannt, dass er seine Frau nicht liebe. Gleichzeitig beneidete er einen Bekannten, Feodosiy Glukharyov, um dessen Erfolg bei Frauen. 

Glukharyov soll zahlreiche Beziehungen gehabt haben. Für Skrynnik wurde dieser Bekannte offenbar zu einer Projektionsfläche für das eigene Gefühl des Versagens. 

Dann gab Skrynnik eine Zeitungsanzeige auf, in der er nach einer Partnerin suchte. 

Eine Begegnung endete für ihn mit einer Geschlechtskrankheit. Später erklärte er, dieses Erlebnis habe seine Einstellung gegenüber Frauen verändert. Aus persönlicher Enttäuschung wurde in seiner eigenen Vorstellung eine Art Weltanschauung. Frauen seien für sein Unglück verantwortlich, so die spätere Darstellung seiner Motive. 

Nichts davon erklärt einen Mord. 

Es erklärt höchstens, wie ein Mensch seine eigene Wut in eine Rechtfertigung verwandeln konnte. 

Der erste Mord 

Die Spur der Gewalt führte zunächst weit weg von Kischinjow. 

Mitte der 1970er-Jahre arbeitete Skrynnik in der Jakutischen ASSR. Dort wurde die Stewardess Nina Puganova ermordet. Ihr Körper wurde schwer verstümmelt aufgefunden. Die Ermittlungen brachten zunächst keinen Täter hervor. 

Der Mord blieb ungelöst. 

Jahre später sollte sich herausstellen, dass die Ermittler damals bereits nach einem Mann suchten, dessen Name ihnen erst sehr viel später begegnen würde. 

Skrynnik kehrte irgendwann nach Moldau zurück und führte dort sein scheinbar normales Leben weiter. Er arbeitete, war verheiratet und bewegte sich unauffällig in seinem sozialen Umfeld. 

Der Abstand zwischen seinem Alltag und seinen Verbrechen war enorm. 

Gerade diese Diskrepanz machte den späteren Fall so verstörend. Der Mann, der tagsüber einer geregelten Arbeit nachging, war zugleich mit einem ungelösten Mord aus einer anderen Region verbunden. 

Die Frau im Koffer 

1980 begann die Mordserie in Kischinjow eine neue Dimension anzunehmen. 

Skrynnik traf Irina Trasyn. Sie war Mutter eines siebenjährigen Sohnes. 

Was zunächst wie ein gewöhnliches Treffen ausgesehen haben soll, endete mit ihrer Ermordung. Anschließend verstümmelte der Täter die Leiche und trennte den Kopf vom Körper. 

Dann kam der Koffer. 

Er brachte den Kopf zu seinem Bekannten Glukharyov. Die beigefügte Nachricht enthielt Forderungen und Drohungen. Glukharyov sollte Geld zu einem bestimmten Ort bringen. Zugleich wurde seiner Familie Gefahr angedroht. 

Damit hatte Skrynnik eine zweite Ebene in seine Tat eingebaut. 

Er wollte nicht nur töten. Er wollte einen anderen Menschen terrorisieren. 

Für die Polizei bedeutete das zunächst eine völlig andere Ermittlungsrichtung. Warum wurde ausgerechnet Glukharyov bedroht? Warum wurde eine Leiche in seine Nähe gebracht? Und wer konnte einen persönlichen Konflikt mit ihm haben? 

Der Verdacht fiel zunächst auf Menschen aus dessen Umfeld. 

Ein Täter, der seine Ermittler in die Irre führte 

Die Ermittler betrachteten Glukharyovs Bekanntenkreis. Eine mögliche Erklärung war, dass sich jemand an ihm rächen wollte. Beziehungen, Eifersucht und persönliche Konflikte rückten in den Mittelpunkt. 

Auch ein Verwandter geriet ins Visier. Er hatte in der Vergangenheit einen Streit mit Glukharyov gehabt und ihm sogar gedroht. Als die Polizei ihn im Zusammenhang mit dem Fall antraf, versuchte er zu fliehen. 

Doch die Spur führte nicht zum Mörder. 

Der Mann war offenbar aus einem anderen Grund nervös geworden. Gegen ihn bestanden Verdachtsmomente wegen wirtschaftlicher Delikte. Für den Mord gab es jedoch ein Alibi. 

Die Ermittler standen wieder am Anfang. 

Dann kam die nächste Nachricht. 

Eine Hand im Schatten 

Kurz darauf wurde eine weitere Frau getötet. Ihr Name wird in den verfügbaren Darstellungen als Anastasia Mikhailova angegeben. 

Diesmal brachte der Täter keine vollständige Leiche zu seinem Bekannten. Er hinterließ eine abgetrennte Hand – erneut verbunden mit einer Nachricht und Drohungen. 

Die Situation wurde immer unheimlicher. 

In Kischinjow entstanden Gerüchte. Manche Menschen glaubten, ein besonders grausamer Täter sei aus einer anderen Region in die Stadt gekommen. Andere erzählten sich Geschichten über Grabschänder oder sogar über einen Kannibalen, der angeblich in der moldauischen Hauptstadt sein Unwesen treibe. 

Der Name Nikolai Dzhumagaliev tauchte in den Gerüchten auf. Dzhumagaliev war tatsächlich ein anderer sowjetischer Serienmörder, dessen Verbrechen zu jener Zeit bekannt geworden waren. Eine Verbindung zu Skrynnik bestand jedoch nicht. 

Die Angst wuchs schneller als die Erkenntnisse der Polizei. 

Der Fehler des Täters 

Doch der Täter hatte einen Fehler gemacht. 

Eine junge Frau namens Olga Lebedeva überlebte einen Angriff. 

Skrynnik hatte sie im zentralen Park von Kischinjow angegriffen. Nach den späteren Darstellungen versuchte er, sie zu überwältigen und zu töten. Lebedeva konnte sich jedoch wehren und entkommen. 

Damit besaßen die Ermittler etwas, das sie bei den toten Frauen nicht mehr bekommen konnten: eine lebende Zeugin. 

Sie konnte den Angreifer beschreiben. 

Und sie kannte ihn bereits. 

Skrynnik hatte zuvor Kontakt zu ihr aufgenommen. Er hatte ihr geschrieben. Die Briefe, die er ihr geschickt hatte, wurden dadurch zu einem entscheidenden Beweisstück. 

Für die Ermittler entstand nun eine Verbindung zwischen dem unbekannten Angreifer, den Drohbriefen und den Morden. 

Doch noch fehlte der eindeutige Beweis. 

Die Handschrift 

Der Täter hatte die Nachrichten in Druckbuchstaben geschrieben. 

Das erschwerte zunächst den Vergleich mit vorhandenen Schriftproben. Die Ermittler konnten nicht einfach einen Brief nehmen und ihn mit einer normalen Handschrift vergleichen. 

Dann kam ihnen eine ungewöhnliche Idee. 

Skrynnik wurde zum Militärkommissariat bestellt. Dort sollte er Formulare ausfüllen. Entscheidend war die Anweisung, die Angaben in Druckbuchstaben einzutragen. 

Damit erzeugte die Polizei eine Vergleichsprobe. 

Die Schrift wurde anschließend untersucht. Nach den veröffentlichten Darstellungen stimmte sie mit der Schrift auf den Nachrichten des Täters überein. 

Aus einem anonymen Verfasser wurde ein konkreter Verdächtiger. 

Alexander Skrynnik. 

Die Überwachung 

Nun mussten die Ermittler vorsichtig vorgehen. 

Skrynnik wusste noch nicht, dass sich die Schlinge um ihn zusammenzog. Eine Festnahme durfte nicht scheitern. Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass die Polizei es mit einem Täter zu tun hatte, der extrem brutal vorging und bereits mehrfach getötet hatte. 

Die Ermittler beobachteten sein Umfeld. 

Schließlich entschieden sie sich für einen ungewöhnlichen Zugriff. 

Skrynnik ging in das Kino Patria. Er war nicht allein. Er hatte eine Frau dabei und wollte einen Film sehen. 

Die Polizei wusste, dass er dort sein würde. 

Ein Beamter trat unter einer Tarnung an ihn heran. Die Situation sollte nicht wie eine Festnahme aussehen. Skrynnik wurde aus dem öffentlichen Bereich gelockt – und dort schließlich überwältigt. 

Der Mann, der sich jahrelang zwischen Arbeit, Familie und Bekannten bewegt hatte, war gefasst. 

„Sanitäter der Natur“ 

Nach seiner Festnahme begann Skrynnik auszusagen. 

Zunächst soll er sich gegen die Vorwürfe gewehrt haben. Er habe auf seine beruflichen Leistungen verwiesen und seine Stellung als Arbeiter betont. Doch angesichts der Beweise geriet diese Verteidigung ins Wanken. 

Später sprach er über seine Taten. 

Dabei bezeichnete er sich selbst als eine Art „Sanitäter der Natur“. 

Der Ausdruck war mehr als eine bizarre Selbstbezeichnung. Er zeigte, wie der Täter seine Gewalt in eine eigene moralische Ordnung eingebaut hatte. Er sah sich nicht als Verbrecher, sondern als jemand, der angeblich eine Aufgabe erfülle. 

Gerade diese Selbstrechtfertigung machte den Fall für die Ermittler und die Öffentlichkeit so verstörend. 

Denn sie zeigte keinen Mann, der seine Taten als unbegreiflichen Ausbruch schilderte. Skrynnik versuchte vielmehr, ihnen einen Sinn zu geben. 

Drei Tote – und eine Überlebende 

Mit den Ermittlungen wurden drei Morde mit Skrynnik in Verbindung gebracht. 

Nina Puganova, die in Jakutien getötet worden war. 

Irina Trasyn, deren siebenjähriger Sohn seine Mutter auf einem Fernsehbild erkennen musste. 

Und Anastasia Mikhailova, deren Schicksal mit den Drohungen gegen Glukharyov verbunden wurde. 

Hinzu kam Olga Lebedeva, die einen Angriff überlebte und damit zu einer entscheidenden Zeugin wurde. 

Die öffentlich zugänglichen Darstellungen unterscheiden sich bei einzelnen biografischen Details und Namensformen. Auch die Schreibweise des Täternamens variiert. In der russischsprachigen Überlieferung erscheint der Mann unter anderem als Alexander Iwanowitsch Skrynnik beziehungsweise unter dem Namen Profir Skripnik. 

Die Bezeichnung „Moldawischer Chikatilo“ setzte sich später als Spitzname durch. Sie bezog sich auf die Brutalität seiner Taten, nicht darauf, dass er mit Andrei Chikatilo zusammengearbeitet hätte oder zu dessen Verbrechensserie gehörte. 

Der Prozess 

Der Prozess fand vor dem Obersten Gericht der Moldauischen SSR statt. 

Skrynnik wurde wegen Mordes unter erschwerenden Umständen angeklagt. Die Ermittlungen hatten ein Bild ergeben, das aus mehreren Puzzleteilen bestand: die Zeugenaussage der Überlebenden, die Briefe, die Handschriftenanalyse und die Verbindung zu den Opfern. 

Auch der Mord in Jakutien wurde in die Geschichte des Täters eingeordnet. 

Das Gericht verurteilte Skrynnik zum Tod. 

In der Sowjetunion war die Todesstrafe durch Erschießen vollstreckbar. Auch Skrynnik wurde schließlich durch ein Erschießungskommando hingerichtet. Als Todesdatum wird in mehreren Darstellungen der 15. August 1981 genannt. Andere Quellen geben lediglich das Jahr 1981 an. 

Damit endete die Geschichte des Mannes, der sich selbst als „Sanitäter der Natur“ bezeichnet hatte. 

Doch der Fall verschwand nicht vollständig. 

Eine Stadt voller Gerüchte 

In einer Gesellschaft, in der Informationen über schwere Verbrechen nicht in der heutigen Geschwindigkeit verbreitet wurden, entstanden Leerstellen. Und Leerstellen werden schnell mit Gerüchten gefüllt. 

Die Sowjetunion war geprägt von einer stark kontrollierten Medienlandschaft. Gewaltverbrechen wurden zwar berichtet, doch die Darstellung schwerer Serienverbrechen war nicht mit der heutigen True-Crime-Kultur vergleichbar. 

Gerade deshalb wirkte der Fall in Kischinjow so verstörend. 

Eine Frau verschwand. 

Dann wurde ein menschlicher Kopf in einem Koffer gefunden. 

Dann eine Hand. 

Dann tauchten Drohbriefe auf. 

Und schließlich erzählte eine junge Frau, dass sie dem Täter selbst gegenübergestanden hatte. 

Während die Polizei versuchte, die tatsächlichen Zusammenhänge zu rekonstruieren, kursierten Geschichten über andere Serienmörder und angebliche Monster, die längst in der Stadt angekommen sein sollten. Die Realität war am Ende weniger mythisch – und gerade deshalb erschreckender. 

Der Täter war kein Fremder aus einer anderen Welt. 

Er war ein Mann aus dem sozialen Umfeld seiner Opfer. 

Was von dem Fall blieb 

Heute ist Alexander Skrynnik außerhalb des postsowjetischen Raums weitgehend unbekannt. Sein Name taucht in Übersichten über sowjetische Serienmörder auf, gelegentlich wird er als „Moldawischer Chikatilo“ bezeichnet. 

Doch hinter diesem Etikett verschwinden leicht die Menschen, die tatsächlich im Mittelpunkt der Geschichte standen. 

Nina Puganova war nicht einfach ein Eintrag in einer Statistik. Irina Trasyn war nicht „die Frau mit dem Koffer“. Sie war eine Mutter, deren siebenjähriger Sohn sie nach ihrem Tod im Fernsehen identifizieren musste. 

Und Olga Lebedeva war nicht nur eine Zeugin. Sie war eine Frau, die einen Angriff überlebte und deren Aussage dazu beitrug, einen Täter zu identifizieren. 

Das Entscheidende an dem Fall war deshalb nicht nur die Grausamkeit der Morde. 

Es war die Kombination aus Alltag und Abgrund. 

Skrynnik hatte gearbeitet. Er war verheiratet. Er hatte Kinder. Er war in seinem Betrieb als leistungsfähiger Mitarbeiter bekannt. Er bewegte sich in einer Gesellschaft, in der Menschen ihn kannten und ihm begegneten. 

Und dennoch führte er ein zweites Leben. 

Der Koffer als Symbol 

Vielleicht blieb deshalb ausgerechnet der Koffer als Bild dieses Falles so stark. 

Ein gewöhnlicher Gegenstand, gemacht für Reisen und persönliche Dinge, wurde zum Behältnis eines Verbrechens. Er stand vor einer Wohnungstür und verwandelte einen privaten Ort in einen Tatort. 

Für die Ermittler war der Koffer zunächst ein Rätsel. 

Für die Öffentlichkeit wurde er zum Symbol. 

Und für den siebenjährigen Sohn von Irina Trasyn bedeutete die Geschichte etwas anderes als für alle anderen: Er verlor seine Mutter und musste sie anschließend auf einem Fernsehbild erkennen. 

Jahrzehnte später ist genau das der Punkt, an dem jede Darstellung dieses Falles vorsichtig werden muss. 

Denn Serienmörder werden in der Erinnerung oft zu Figuren. Zu Spitznamen. Zu Schlagzeilen. Zu dunklen Legenden. 

Die Opfer bleiben dagegen leicht unsichtbar. 

Bei Alexander Skrynnik sollte man deshalb nicht nur an den Mann denken, der sich selbst einen „Sanitäter der Natur“ nannte. 

Man sollte an die Frauen denken, die ihm begegneten. 

An die Mutter, die nicht nach Hause zurückkehrte. 

An den Jungen, der sie wiedererkannte. 

Und an die Überlebende, deren Aussage schließlich half, den Mann hinter den Drohungen sichtbar zu machen. 

Am Ende war es nicht das Gerücht über einen unbekannten Dämon, das den Fall löste. 

Es waren Spuren. 

Ein Brief. 

Eine Handschrift. 

Eine Zeugenaussage. 

Und ein Täter, der glaubte, seine Gewalt vor der Welt verbergen zu können. 

Das konnte er nicht. 

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