Serienmord & Wahnsinn

Wahre Fälle. Wahre Täter. Wahnsinn pur.

Der Mann, der Amerika erschaudern ließ – Die wahre Geschichte des Albert Fish

Eine investigative Reportage über den Serienmörder, dessen Taten in den 1920er- und 1930er-Jahren die USA schockierten – und über die Ermittlungen, die schließlich zu seiner Verhaftung führten.

23.11.2025

Zusammenfassung & Show Notes

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Einstieg: Der Moment der Entdeckung 

Der Brief lag unscheinbar auf dem Küchentisch der Familie Budd, adressiert an die Mutter des verschwundenen Kindes. Der Umschlag war vergilbt, der Stempel kaum lesbar – doch das, was sich darin befand, würde den Ermittlern einen der wohl verstörendsten Kriminalfälle der amerikanischen Geschichte eröffnen. Als die Zeilen öffentlich wurden, war schnell klar, dass die Suche nach dem mutmaßlichen Täter einen Wendepunkt erreicht hatte. Die Polizei New Yorks, seit Jahren auf der Spur eines Mannes, für dessen Auftreten es kaum eine einheitliche Beschreibung gab, erhielt durch diesen Brief endlich den Hinweis, der ihnen fehlen sollte: eine Spur, die direkt zu Albert Fish führte. 

Der Moment, in dem Ermittler Frank Geyer in einem kleinen Apartment in der 52. Straße die Tür hinter sich schloss und den alten, unscheinbaren Mann mit grauem Haar festnahm, war sachlich, schnell, beinahe unspektakulär. Doch in diesem Augenblick war den Beamten bewusst, dass sie einem der rätselhaftesten und gefährlichsten Täter der US-Geschichte gegenüberstanden. Der Fall, der jahrelang die Öffentlichkeit beunruhigt hatte, fand hier seinen potenziellen Abschluss – und gleichzeitig den Anfang einer intensiven Aufarbeitung. 

 
Hintergrund Täter: Die Biografie eines Mannes ohne Halt 

Albert Fish wurde 1870 in Washington, D.C., geboren – in eine Familie, die über Generationen hinweg mit psychischen Erkrankungen, Suchtproblemen und sozialer Instabilität zu kämpfen hatte. Schon früh erlebte er den Verlust seines Vaters; seine Mutter war finanziell und emotional überfordert. Fish verbrachte prägende Kindheitsjahre in einem Waisenhaus, das später immer wieder in seinen Aussagen auftauchte: ein Ort, an dem körperliche Züchtigung, Demütigung und Härte den Alltag bestimmten. Aus späteren psychologischen Gutachten ging hervor, dass Fish dort Verhaltensmuster entwickelte, die sich in der Erwachsenenzeit verstärkten. 

Als junger Mann zog er nach New York City, wo er zunächst Gelegenheitsarbeiten annahm und über Jahre hinweg ein unauffälliges Leben führte. Er heiratete, wurde Vater mehrerer Kinder und galt in der Nachbarschaft als zurückhaltender, höflicher Mann, der gelegentlich religiöse Exzesse zeigte, aber im Wesentlichen als harmlos wahrgenommen wurde. 

Doch hinter dieser bürgerlichen Fassade entwickelte sich eine Parallelwelt aus Fantasien, Kontrollzwang und tiefen psychischen Störungen. Die psychiatrischen Gutachter, die ihn später untersuchten, beschrieben ein Geflecht aus Wahnvorstellungen, religiöser Verzerrung und sexualpathologischen Obsessionen. Fischs inneres Leben entzog sich nahezu vollständig der gewöhnlichen Logik krimineller Motive. In Vernehmungen sprach er von „Berufungen“, „Stimmen“ und „Zeichen“, die er interpretiert hatte. Die Diskrepanz zwischen dem schwächlich wirkenden älteren Mann und der Gewalt seiner Taten ließ selbst erfahrene Ermittler ratlos zurück. 

 
Hintergrund Opfer: Familien im Amerika der 1920er-Jahre 

Die Opfer Albert Fishs stammten fast ausnahmslos aus sozial benachteiligten Familien oder befanden sich in Lebensumständen, in denen sie besonders verletzlich waren. In einem New York, das während der 1920er- und frühen 1930er-Jahre steigende Armut, Arbeitslosigkeit und unzureichende staatliche Schutzmechanismen kannte, waren die Lebenswelten der Kinder oft geprägt von engen Wohnverhältnissen, prekären Einkommenssituationen und dem Vertrauen gegenüber Erwachsenen, die ihre Hilfe anboten. 

Fish nutzte dieses Umfeld strategisch aus. Er gab sich als Arbeitsvermittler aus, bot angebliche Gelegenheitsjobs oder Hilfsarbeiten an und führte Kinder oder Jugendliche unter dem Vorwand neuer Chancen aus ihrem Umfeld heraus. Die Familien, die ihre Angehörigen verloren, berichteten später von einem Gefühl der Ohnmacht, einem kollektiven Versagen der sozialen Sicherheitssysteme, die solche Taten nicht verhindern konnten. 

 
Tatserie und Tatablauf: Ein Muster der Täuschung 

Die Verbrechen Albert Fishs lassen sich weder in eine einfache Chronologie noch in ein klassisches Täterprofil einordnen. Die Ermittler stellten jedoch Muster fest: Fish suchte gezielt nach Gelegenheiten, Kinder oder Jugendliche anzusprechen, indem er sich als wohlmeinender älterer Herr ausgab. Seine Begegnungen wirkten zufällig, doch rückblickend ergab sich für die Behörden ein Bild jahrelanger systematischer Beobachtung. 

Die Entführung von Grace Budd 

Der Fall der zehnjährigen Grace Budd sollte später der zentrale Ankerpunkt der gesamten Ermittlungen werden. Die Familie Budd war eine Arbeiterfamilie in Harlem, die verzweifelt nach besseren Einkommensmöglichkeiten suchte. Fish, der sich unter falschem Namen als wohlhabender Farmer ausgab, erschien im Frühjahr 1928 bei ihnen zu Hause und bot dem älteren Sohn einen angeblichen Job auf einer Farm an. 

Er zeigte sich freundlich, unauffällig, beinahe väterlich. Später kehrte er zurück und gab vor, an einer Familienfeier teilzunehmen, zu der er Grace mitnehmen wolle. Ihre Eltern, beeindruckt von seiner höflichen Art und der Aussicht auf eine sichere Tätigkeit für ihren Sohn, stimmten zu. Es war ein Moment des Vertrauens, der tragische Folgen haben sollte. 

Grace kehrte nie zurück. 

Fish verschwand aus der Stadt, und die Spur führte ins Leere. Die Behörden, die zunächst von einem gewöhnlichen Entführungsfall ausgegangen waren, fanden keine unmittelbaren Hinweise auf ein Lösegeld oder eine Verbindung zu bekannten kriminellen Netzwerken. 

Weitere potenzielle Opfer 

Während Fish später mehrere Taten gestand, blieb die Zahl seiner tatsächlichen Opfer umstritten. Viele der von ihm geschilderten Fälle ließen sich nicht verifizieren, andere hingegen korrespondierten mit Meldungen über verschwundene Kinder in verschiedenen Bundesstaaten. Einige Ermittler versuchten, Fälle aus den Jahren 1910 bis 1930 neu zu ordnen, um mögliche Zusammenhänge zu erkennen. 

 
Die Ermittlungen: Eine Spur in einem Brief 

Der entscheidende Durchbruch gelang im Jahr 1934, als der bereits erwähnte Brief bei der Familie Budd eintraf. Die Polizei war schockiert über den Inhalt, doch er lieferte erstmals verwertbare Hinweise: Der Umschlag stammte aus einem bestimmten Boardinghouse, das sich zu dieser Zeit in Manhattan befand. 

Ein Ermittler verfolgte die Herkunft des Schreibmaterials, befragte Vermieter und Bewohner und rekonstruierte, wer Zugang zu dem jeweiligen Zimmer gehabt hatte. So stießen sie schließlich auf Albert Fish, der unter wechselnden Namen lebte und über weite Strecken nicht festangestellt war, wodurch er sich außerhalb vieler administrativer Systeme bewegte. 

Als die Beamten ihn fanden, wirkte Fish weder überrascht noch aggressiv. Augenzeugen beschrieben ihn als kooperativ, ruhig, fast erleichtert. Er gab seine Identität zu und folgte den Polizisten ohne Widerstand. 

 
Prozess und Urteil: Ein Gerichtssaal voller Rätsel 

Der Prozess gegen Albert Fish im Jahr 1935 wurde zu einem der aufsehenerregendsten Strafverfahren seiner Zeit. Die Frage, die den Gerichtssaal dominierte, war weniger, ob Fish die Taten begangen hatte – seine Geständnisse und die Hinweise waren für die Staatsanwaltschaft ausreichend – sondern ob er im juristischen Sinne schuldfähig war. 

Psychiater, Kriminalpsychologen und forensische Experten wurden geladen, um seine geistige Verfassung zu beurteilen. Einige beschrieben ihn als chronisch psychotisch, andere sahen in ihm einen Mann, der trotz abweichender Weltanschauungen in der Lage war, sein Handeln zu kontrollieren. 

Die Anklage setzte auf die Strategie, dass Fish vorsätzlich gehandelt habe und sich bewusst tarnte, log und plante – ein Hinweis auf zielgerichtetes Verhalten. Die Verteidigung hingegen argumentierte, dass seine Taten aus einer schwerwiegenden geistigen Erkrankung resultierten. 

Das Urteil fiel schließlich eindeutig aus: Albert Fish wurde für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. 

 
Hinrichtung 

Am 16. Januar 1936 wurde das Urteil vollstreckt. Fish starb im Staatsgefängnis Sing Sing auf dem elektrischen Stuhl. Zeitgenössische Berichte beschrieben eine Atmosphäre der Erleichterung, aber auch des Unbehagens. Der Fall Fish war nicht nur ein Kriminalfall – er war ein Spiegelbild der Grenzen des damaligen Rechts- und Gesundheitssystems. 

 
Rückwirkungen und gesellschaftliche Reflexion 

Der Fall Albert Fish hinterließ tiefe Spuren in der amerikanischen Öffentlichkeit. Medien berichteten über Monate hinweg über die Ermittlungen, den Prozess und die psychiatrischen Gutachten. Die Grausamkeit der Taten und der Kontrast zwischen Fischs äußerem Erscheinungsbild und seinen Verbrechen lösten Diskussionen über psychische Erkrankungen, Strafmündigkeit und die gesellschaftlichen Schutzmechanismen für Kinder aus. 

Experten und Journalisten warfen die Frage auf, wie ein Mann wie Fish jahrzehntelang nahezu unbemerkt hatte handeln können. Andere betrachteten den Fall als Beispiel dafür, wie gefährlich blinde Vertrauensseligkeit sein konnte in einer Zeit, in der soziale Kontrolle weniger ausgeprägt war. 

Bis heute gilt der Fall als einer der erschütterndsten der US-Geschichte und taucht regelmäßig in Dokumentationen, Podcasts oder kriminalpsychologischen Analysen auf. Er markiert einen Wendepunkt in der amerikanischen Wahrnehmung von Serienverbrechen und regte eine breitere Beschäftigung mit forensischer Psychiatrie an, die schließlich Grundsteine für moderne Täterprofile legte. 

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