Der „Landru des Tiber“ – Der Fall Cesare Serviatti
Wie ein unscheinbarer Mann Frauen über Kontaktanzeigen in den Tod lockte – und wie einer der düstersten Kriminalfälle Italiens der Zwischenkriegszeit ans Licht kam
21.01.2026
Zusammenfassung & Show Notes
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Einstieg – Zwei Koffer, ein Bahnhof, ein Land im Schock
Es war ein kalter Morgen Ende November 1932, als Bahnangestellte am Hauptbahnhof von Neapel auf zwei herrenlose Koffer aufmerksam wurden. Sie standen unbeachtet am Rand eines Bahnsteigs, unscheinbar, wie tausend andere Gepäckstücke, die täglich durch die großen Bahnhöfe Italiens reisten. Doch irgendetwas war anders. Ein stechender Geruch lag in der Luft. Als die Koffer geöffnet wurden, erstarrten die Umstehenden. In Zeitungspapier gewickelt, sorgfältig mit Sägespänen bedeckt, lagen menschliche Körperteile.
Nur wenige Stunden später wiederholte sich das Grauen in Rom. Am Bahnhof Termini wurde ein weiterer Koffer entdeckt – ebenfalls mit menschlichen Überresten gefüllt. Die Ermittler stellten schnell fest: Die Körperteile gehörten zu ein und derselben Frau. Italien war schockiert. Wer hatte eine Frau ermordet, zerstückelt und ihre Überreste quer durch das Land transportiert? Und warum?
Diese Koffer markierten den Anfang vom Ende eines Mannes, der jahrelang im Verborgenen getötet hatte: Cesare Serviatti.
Der Täter – Cesare Serviatti
Cesare Serviatti wurde im Jahr 1880 in der Kleinstadt Subiaco geboren. Seine Kindheit war geprägt von Armut, Vernachlässigung und frühem Verlust. Beide Eltern starben, als er noch jung war. Zeitgenössische Berichte zeichnen das Bild eines Einzelgängers, der früh auffällige Verhaltensweisen zeigte. Schon als Kind soll er eine ungewöhnliche Faszination für Tod und Gewalt entwickelt haben.
Im Erwachsenenalter führte Serviatti ein unstetes Leben. Er arbeitete zeitweise als Krankenpfleger, verlor diese Anstellung jedoch nach Vorwürfen, Patienten misshandelt zu haben. Später verdingte er sich als Metzger – ein Beruf, der ihm anatomische Kenntnisse vermittelte, die später eine grausame Rolle spielen sollten. Er heiratete, bekam einen Sohn und lebte mit seiner Familie in einfachen Verhältnissen in Rom, nahe des Hauptbahnhofs.
Nach außen wirkte Serviatti unscheinbar. Er war höflich, sprachgewandt, verstand es, Vertrauen zu erzeugen. Niemand in seinem Umfeld ahnte, dass er ein Doppelleben führte – eines, das von Manipulation, Habgier und Mord geprägt war.
Die Opfer – Frauen auf der Suche nach einem Neuanfang
Die Frauen, die Cesare Serviatti tötete, verband ein gemeinsames Schicksal. Sie waren alleinstehend, teilweise finanziell unabhängig, teilweise auf der Suche nach Sicherheit und Zuneigung. Sie lebten in einer Zeit, in der Frauen ohne Ehemann gesellschaftlich oft benachteiligt waren – und in der eine Heiratsanzeige als legitimer Weg galt, einen Partner zu finden.
Pasqua Bartolini Tiraboschi war eine gebildete Frau, einst Sängerin, mit einem kleinen Vermögen. Beatrice „Bice“ Margarucci hatte Zeit im Ausland verbracht und verfügte über Ersparnisse. Paolina Gorietti arbeitete als Kellnerin in Neapel, bodenständig, hoffnungsvoll, überzeugt davon, dass ein neues Leben auf sie wartete.
Für sie alle wurde Cesare Serviatti zum Versprechen – und schließlich zum Todesurteil.
Die Tatserie – Chronologie eines Serienmörders
Der erste Mord: La Spezia, 1928
1928 lockte Serviatti Pasqua Bartolini Tiraboschi nach La Spezia. Er hatte ihr die Ehe versprochen, ein gemeinsames Leben, Sicherheit. In einer gemieteten Unterkunft schlug er zu. Er tötete sie, zerstückelte den Körper und entsorgte die Überreste in einer Jauchegrube. Niemand suchte nach ihr. Niemand stellte Fragen.
Der zweite Mord: Rom und der Tiber, 1930
Zwei Jahre später schaltete Serviatti erneut Kontaktanzeigen. Beatrice Margarucci antwortete. Sie zog zu ihm nach Rom. Wieder folgte die gleiche Choreografie: Vertrauen, Nähe, dann der Mord. Serviatti tötete sie, zerstückelte den Körper und verstaute die Überreste in einem Koffer. Diesen warf er von einer Brücke in den Tiber. Tage später wurden Körperteile an der Küste angespült – doch ein Zusammenhang wurde zunächst nicht erkannt.
Der dritte Mord: Paolina Gorietti, 1932
Paolina Gorietti begegnete Serviatti über eine Anzeige. Sie schrieb Freundinnen voller Vorfreude, sprach von Heirat, von einer neuen Zukunft. Sie reiste nach La Spezia – und verschwand. Dieses Mal jedoch machte Serviatti einen Fehler. Statt den Körper spurlos zu entsorgen, packte er die Leiche in Koffer und verschickte sie per Bahn. Die Koffer wurden entdeckt. Und mit ihnen begann die Jagd.
Die Ermittlungen – Ein Puzzle fügt sich zusammen
Die Polizei stand zunächst vor einem Rätsel. Eine unbekannte Tote, zerstückelt, verteilt auf mehrere Städte. Erst als Ermittler begannen, Vermisstenanzeigen systematisch auszuwerten, stießen sie auf Paolina Gorietti. Der entscheidende Hinweis kam aus ihrem Umfeld: In Briefen hatte sie den Namen ihres neuen Partners erwähnt – Cesare Serviatti.
Die Ermittler lokalisierten Serviatti in Rom. Am 9. Dezember 1932 wurde er verhaftet – beim Abendessen mit seiner Ehefrau. Zunächst bestritt er alles. Doch die Beweislage war erdrückend. Spuren, Zeugenaussagen, Reisebewegungen, Gepäckstücke. Schließlich brach Serviatti zusammen. Er gestand – nicht nur einen Mord, sondern drei.
Der Prozess – Öffentlichkeit und Urteil
Der Prozess begann im Sommer 1933. Trotz politischer Zensur wurde er landesweit verfolgt. Der Angeklagte zeigte kaum Reue. Sachlich schilderte er seine Taten, als würde er über Alltägliches sprechen. Die Richter verurteilten ihn wegen mehrfachen Mordes, Raubes und Leichenschändung.
Für den Mord an Paolina Gorietti wurde Cesare Serviatti zum Tode verurteilt. Für die anderen Taten erhielt er lebenslange Haftstrafen. Ein Gnadengesuch wurde abgelehnt.
Am frühen Morgen des 13. Oktober 1933 wurde Cesare Serviatti hingerichtet. Sein Tod beendete eines der dunkelsten Kapitel italienischer Kriminalgeschichte.
Rückwirkungen – Ein Fall, der bleibt
Der Fall Cesare Serviatti war mehr als eine Mordserie. Er offenbarte gesellschaftliche Brüche, die Verletzlichkeit alleinstehender Frauen, die Gefahren von Vertrauen in einer anonymen Welt. Noch Jahrzehnte später dient er Kriminologen als Beispiel für frühe Serienmordmuster.
Serviatti ging als „Landru des Tiber“ in die Geschichte ein – benannt nach einem französischen Serienmörder, der ebenfalls Frauen über Heiratsversprechen getötet hatte. Doch hinter diesem Namen stehen reale Menschen, reale Hoffnungen, reale Leben, die ausgelöscht wurden.
Die Koffer an den Bahnhöfen von Neapel und Rom sind längst verschwunden. Doch die Fragen, die dieser Fall aufwarf, hallen bis heute nach.