Serienmord & Wahnsinn

Wahre Fälle. Wahre Täter. Wahnsinn pur.

Dennis Nilsen – der schottische Serienmörder, dessen Geheimnis im Abfluss endete

London, England, 1978–1983 – Über Jahre verschwanden junge Männer, während in zwei Wohnungen in Nordlondon ein Verbrechen verborgen blieb

28.10.2026 19 min

Zusammenfassung & Show Notes

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Am Abend des 9. Februar 1983 stand Dennis Nilsen in seiner Wohnung in Cranley Gardens im Norden Londons, als die Polizei vor seiner Tür erschien. Wenige Tage zuvor waren in den Abwasserleitungen des Hauses menschliche Überreste entdeckt worden. Nun wollten die Beamten wissen, was sich in der Wohnung befand. Nilsen ließ sie herein. 

Der Geruch fiel den Ermittlern sofort auf. In der Wohnung fanden sie menschliche Überreste, darunter Körperteile, die in Säcken und Behältnissen aufbewahrt worden waren. Nilsen blieb auffallend ruhig. Er erklärte den Beamten, die Sache reiche weit zurück. Dann begann er zu erzählen. 

Was in dieser Nacht ans Licht kam, war die Geschichte einer Mordserie, die mehr als vier Jahre zuvor begonnen hatte. Dennis Nilsen, 1945 im schottischen Fraserburgh geboren, hatte junge Männer nach Hause gelockt, sie getötet und ihre Körper anschließend in seinen Wohnungen versteckt oder die Überreste beseitigt. Die Zahl der tatsächlichen Opfer blieb bis zuletzt nicht vollständig geklärt. Nilsen hatte zunächst von 15 oder 16 getöteten Männern gesprochen. Später änderte er seine Angaben und behauptete, nur zwölf Menschen getötet zu haben. Ermittler hielten dagegen an der ursprünglichen Zahl von 15 fest. 

Ein unauffälliges Leben vor den Morden 

Dennis Andrew Nilsen wurde am 23. November 1945 in Fraserburgh in Aberdeenshire geboren. Seine Eltern trennten sich, als er noch ein Kind war. Er wuchs anschließend bei seiner Mutter und seinen Geschwistern beziehungsweise zeitweise bei seinen Großeltern auf. Sein Großvater, ein Fischer, starb, als Nilsen noch jung war. Später beschrieb Nilsen den Tod und den Anblick des Leichnams seines Großvaters als ein prägendes Erlebnis. 

Als junger Mann diente Nilsen in der britischen Armee und arbeitete dort unter anderem als Koch. Später war er für kurze Zeit Polizist und arbeitete anschließend in verschiedenen Beschäftigungen. In London wurde er schließlich als Verwaltungsangestellter tätig. 

Nach außen führte Nilsen ein weitgehend unauffälliges Leben. Er wirkte zurückhaltend und konnte höflich und hilfsbereit auftreten. Menschen, die ihm begegneten, sahen nicht zwangsläufig einen Mann, der über Jahre hinweg eine Mordserie verbergen würde. 

Doch Nilsen lebte zunehmend isoliert. Einsamkeit, seine Schwierigkeiten mit Beziehungen und seine Sexualität spielten in seinem späteren Selbstbild eine wichtige Rolle. Für die Ermittler und später auch für die Psychiater, die ihn untersuchten, wurde die Frage zentral, wie seine Persönlichkeit und seine psychischen Auffälligkeiten mit seinen Taten zusammenhingen. 

Eine eindeutige Erklärung für die Mordserie ergab sich daraus jedoch nicht. 

Der erste bekannte Mord 

Ende Dezember 1978 begegnete Nilsen einem Jugendlichen in einem Londoner Pub. Der junge Mann hieß Stephen Holmes und war 14 Jahre alt. Nilsen nahm ihn mit in seine Wohnung in der Melrose Avenue. 

Am folgenden Morgen tötete er Holmes durch Strangulation und Ertränken. Anschließend behielt er den Leichnam in der Wohnung. 

Damit begann eine Mordserie, die sich über Jahre erstrecken sollte. Nilsen entwickelte dabei ein Muster: Er lernte Männer in Pubs oder auf der Straße kennen, bot ihnen Alkohol oder Gesellschaft an und brachte sie in seine Wohnung. Dort wurden sie getötet. Die späteren Ermittlungen ergaben, dass viele der Opfer in schwierigen sozialen Verhältnissen lebten, obdachlos waren oder nur wenig Kontakt zu Familie und Behörden hatten. 

Das machte ihr Verschwinden teilweise schwerer bemerkbar. 

Ein Tourist aus Kanada 

Im Dezember 1979 traf Nilsen auf Kenneth Ockenden. Der 23-jährige Kanadier hielt sich als Tourist in London auf. 

Ockenden war nicht das typische Opfer, das später mit Nilsens Mordserie verbunden wurde. Er hatte eine feste Lebenssituation und war lediglich zu Besuch in London. Nilsen verbrachte Zeit mit ihm und nahm ihn schließlich mit nach Hause. 

Dort tötete er ihn. 

Ockendens Leichnam wurde anschließend ebenfalls in der Wohnung versteckt. Später beseitigte Nilsen die Überreste auf eine Weise, die zunehmend von der Notwendigkeit bestimmt war, die Körperteile aus seiner Wohnung verschwinden zu lassen. 

Die Opfer verschwanden, aber Nilsen blieb 

Im Laufe des Jahres 1980 setzte sich die Mordserie fort. Eines der Opfer war Martyn Duffey, ein 16-jähriger Jugendlicher, der in London ohne festen Lebensmittelpunkt lebte. 

Auch Duffey wurde in Nilsens Wohnung getötet. Danach blieb sein Körper zunächst dort verborgen. 

Weitere Opfer folgten. Zu ihnen gehörte William „Billy“ Sutherland, ein junger Mann aus Edinburgh. Auch Malcolm Barlow wurde später getötet. Barlow war als Kind in Heimen aufgewachsen und hatte Lernschwierigkeiten. 

Nilsen sammelte die Körper seiner Opfer zunächst in der Wohnung. Doch je länger die Leichname dort lagen, desto schwieriger wurde es, sie verborgen zu halten. Verwesung und Geruch machten die Situation zunehmend gefährlich. 

Nilsen begann deshalb, die Körper zu zerlegen und die Überreste auf verschiedene Weise zu beseitigen. Teile wurden verbrannt oder vergraben. Andere wurden in der Wohnung versteckt. 

Die Ermittler fanden später tausende kleine Knochenfragmente im Garten des Hauses in der Melrose Avenue. 

Die Warnsignale, die nicht zusammengeführt wurden 

Während Nilsen weiter tötete, war sein Name bereits in einzelnen Zusammenhängen bei der Polizei aufgetaucht. 

Mehrere junge Männer hatten von Begegnungen mit ihm berichtet, bei denen sie nach eigener Aussage stranguliert oder angegriffen worden waren. Einer dieser Männer war Paul Nobbs. Auch Douglas Stewart und Carl Stotter überlebten spätere Angriffe. 

Diese Vorfälle wurden jedoch nicht zu einem gemeinsamen Muster verbunden. 

Nach späteren Untersuchungen war Nilsen zwischen 1978 und 1983 insgesamt mehrfach Gegenstand polizeilicher Hinweise. Ein weiterer Vorfall betraf einen zehnjährigen Jungen, und ein Nachbar hatte einmal eine Tasche mit menschlichen Überresten entdeckt. Damals wurden diese Überreste jedoch nicht als menschlich erkannt. 

Hinzu kam ein grundlegendes Problem: Viele der später vermuteten Opfer waren nicht offiziell als vermisst gemeldet worden. In einer Millionenstadt konnte ein junger Mann verschwinden, ohne dass sein Verschwinden unmittelbar eine groß angelegte Suche auslöste. 

Die einzelnen Hinweise blieben voneinander getrennt. 

Nilsen konnte weitermachen. 

Der Umzug nach Cranley Gardens 

1981 verließ Nilsen die Wohnung in der Melrose Avenue. Er zog nach 23 Cranley Gardens in Muswell Hill, ebenfalls im Norden Londons. 

Die neue Wohnung unterschied sich entscheidend von der alten. Es gab keinen Garten, in dem er Überreste verbrennen konnte, und keine geeigneten Bodenbretter, unter denen sich Körper verstecken ließen. 

Doch der Umzug beendete die Mordserie nicht. 

1982 tötete Nilsen John Howlett. Howlett war 23 Jahre alt. Nilsen hatte ihn kennengelernt und mit in seine Wohnung genommen. Dort kam es zu einem Angriff, bei dem Howlett stranguliert und schließlich ertränkt wurde. 

Später wurde auch Archibald Graham Allan getötet. Der 27-Jährige stammte aus Motherwell in Schottland und hatte einen Sohn. Nilsen lernte ihn 1982 in London kennen und nahm ihn mit in seine Wohnung. 

Die neue Wohnung machte die Beseitigung der Leichen komplizierter. 

Nilsen zerlegte die Körper und versuchte, kleinere Teile über die Toilette zu entsorgen. Andere Überreste blieben in der Wohnung verborgen. 

Damit begann der Weg, der schließlich zu seiner Entdeckung führen sollte. 

Das letzte Opfer 

Am 26. Januar 1983 begegnete Nilsen Stephen Sinclair in London. Sinclair war 20 Jahre alt und stammte aus Perth in Schottland. 

Nilsen nahm ihn mit nach Cranley Gardens. Dort konsumierte Sinclair Alkohol und Heroin. Anschließend wurde er getötet. 

Sinclair sollte das letzte Opfer der Mordserie sein. 

Seine Überreste wurden in der Wohnung aufbewahrt. Nilsen hatte inzwischen kaum noch Möglichkeiten, die Spuren seiner Taten unbemerkt zu beseitigen. 

Was Nilsen nicht wissen konnte: Die Methode, mit der er versucht hatte, seine Opfer verschwinden zu lassen, würde ihn selbst verraten. 

Der Abfluss 

Anfang Februar 1983 kam es in dem Wohnhaus zu Problemen mit den Abwasserleitungen. 

Eine Firma für Rohrreinigung wurde gerufen. Bei der Untersuchung der Leitungen stießen die Mitarbeiter auf etwas, das nicht in ein Abwassersystem gehörte: menschliches Gewebe. 

Damit änderte sich alles. 

Die Entdeckung führte die Polizei direkt zu Nilsens Wohnung in Cranley Gardens. In der Nacht vor dem Eintreffen der Beamten versuchte Nilsen offenbar noch, Überreste aus dem Abwassersystem zu entfernen. Ein Nachbar wurde auf seine Aktivitäten aufmerksam. 

Am 9. Februar 1983 wurde Nilsen schließlich von Detective Chief Inspector Peter Jay und anderen Beamten aufgesucht. 

Als die Ermittler seine Wohnung betraten, fanden sie die Hinweise, die sie brauchten. Die Polizei stieß auf menschliche Überreste und erkannte schnell, dass es nicht um einen einzelnen Todesfall ging. 

Nilsen wurde festgenommen. 

Schon bei den ersten Befragungen begann er, über die Morde zu sprechen. Er gab an, seit 1978 zahlreiche junge Männer getötet zu haben. Nach seiner anfänglichen Darstellung waren es 15 oder 16. 

Eine Wohnung wurde zum Tatort einer ganzen Mordserie 

Die Ermittlungen wurden nun zu einer der umfangreichsten Morduntersuchungen, die Scotland Yard bis dahin durchgeführt hatte. 

Die Beamten untersuchten Nilsens Wohnung in Cranley Gardens und kehrten anschließend zur früheren Adresse in der Melrose Avenue zurück. Dort suchten sie nach weiteren Spuren und untersuchten den Garten. 

Was sie fanden, bestätigte Teile von Nilsens Aussagen. Unter anderem wurden zahlreiche Knochenfragmente entdeckt. 

Doch die Ermittler standen vor einem außergewöhnlichen Problem: Nilsen hatte die Körper seiner Opfer nicht einfach vollständig aufbewahrt. Er hatte sie zerlegt, verbrannt, vergraben oder über das Abwassersystem entsorgt. 

Die Identifizierung vieler Opfer war deshalb außerordentlich schwierig. 

Letztlich konnten nicht alle Menschen, deren Tötung Nilsen gestanden hatte, identifiziert werden. Gerade deshalb blieb die tatsächliche Zahl der Opfer umstritten. Nilsen selbst änderte seine Angaben später und behauptete, einige der zunächst genannten Morde erfunden zu haben. Die Ermittler akzeptierten diese spätere Version nicht vollständig. 

Die Menschen hinter den Akten 

Die Mordserie wird häufig über ihre Zahl beschrieben. Doch hinter jeder Zahl stand ein Mensch. 

Stephen Holmes war 14 Jahre alt. Martyn Duffey war 16. Kenneth Ockenden war ein junger kanadischer Tourist. Billy Sutherland stammte aus Edinburgh. Malcolm Barlow hatte seine Kindheit in Heimen verbracht. John Howlett war 23. Graham Allan war 27 und Vater eines Kindes. Stephen Sinclair war 20. 

Viele der Opfer befanden sich in schwierigen Lebenssituationen. Einige waren obdachlos oder lebten ohne stabile soziale Bindungen. Andere waren auf Reisen oder hatten nur wenige Menschen, die ihr Verschwinden sofort bemerkt hätten. 

Das bedeutete nicht, dass ihr Leben weniger wert war. Es bedeutete vielmehr, dass Nilsen Männer ins Visier nehmen konnte, deren Verschwinden nicht zwangsläufig unmittelbar eine große Suchaktion auslöste. 

Gerade diese soziale Unsichtbarkeit wurde später zu einem zentralen Bestandteil der Betrachtung des Falls. 

Der Prozess im Old Bailey 

Am 24. Oktober 1983 begann vor dem Central Criminal Court, dem Old Bailey in London, der Prozess gegen Dennis Nilsen. 

Angeklagt war er wegen sechs Morden und zweier Mordversuche. Die Anklage bezog sich damit nicht auf alle Todesfälle, die Nilsen der Polizei gegenüber eingeräumt hatte. 

Nilsen bekannte sich nicht des Mordes schuldig. Seine Verteidigung stützte sich auf das Konzept der verminderten Verantwortlichkeit. Ziel war es, eine Verurteilung wegen Totschlags statt wegen Mordes zu erreichen. 

Der Prozess konzentrierte sich deshalb nicht nur auf die Frage, ob Nilsen die Männer getötet hatte. Entscheidend war auch, in welchem psychischen Zustand er sich während der Taten befunden hatte und ob seine geistige Verfassung seine strafrechtliche Verantwortung beeinflusste. 

Die Aussagen der Überlebenden 

Besonders wichtig waren die Aussagen von Männern, die Nilsen überlebt hatten. 

Paul Nobbs, Douglas Stewart und Carl Stotter berichteten von Angriffen, bei denen Nilsen versucht hatte, sie zu töten. 

Ihre Aussagen machten deutlich, dass die Morde nicht isolierte Ereignisse gewesen waren. Es hatte Männer gegeben, die Nilsen angegriffen hatte und die nur deshalb lebten, weil sie entkommen konnten. 

Damit bekam die Mordserie vor Gericht eine weitere Dimension: Es ging nicht nur um die Toten, sondern auch um diejenigen, die den Angriff überlebt hatten. 

Die psychiatrische Auseinandersetzung 

Die Verteidigung ließ Psychiater aussagen, die Nilsens Persönlichkeit und seine psychische Verfassung untersuchten. 

Einer der Sachverständigen, James MacKeith, beschrieb Nilsen als einen Menschen mit erheblichen Problemen bei der Verarbeitung und dem Ausdruck von Gefühlen. Ein weiterer Psychiater, Patrick Gallwey, führte eine komplexe psychologische Erklärung für Nilsens Verhalten an. 

Die Staatsanwaltschaft stellte diese Einschätzungen infrage. 

Der Psychiater Paul Bowden, der Nilsen ebenfalls ausführlich untersucht hatte, kam zu einer anderen Einschätzung. Er sah zwar Auffälligkeiten und eine ungewöhnliche Persönlichkeit, fand aber keine ausreichende Grundlage dafür, Nilsen als nicht verantwortlich für seine Handlungen anzusehen. 

Am Ende musste die Jury entscheiden, ob die psychischen Auffälligkeiten des Angeklagten seine strafrechtliche Verantwortlichkeit tatsächlich wesentlich verminderten. 

Das Urteil 

Die Jury zog sich am 3. November 1983 zur Beratung zurück. 

Am folgenden Tag stand fest, dass Nilsen in allen sechs Mordfällen schuldig gesprochen wurde. Auch wegen der beiden angeklagten Mordversuche wurde er schuldig gesprochen. 

Am 4. November 1983 verurteilte der Richter Dennis Nilsen zu lebenslanger Haft. Er empfahl zunächst, dass Nilsen mindestens 25 Jahre im Gefängnis verbringen sollte. 

Später wurde diese Regelung verschärft. 1994 wurde gegen Nilsen ein sogenannter Whole Life Tariff festgelegt. Damit war eine Entlassung auf Bewährung grundsätzlich ausgeschlossen. Nilsen blieb bis zu seinem Tod in Haft. 

Ein Fall, der Fragen über das Versagen von Warnsystemen hinterließ 

Nach dem Prozess richtete sich der Blick zunehmend nicht nur auf Nilsen, sondern auch auf die Jahre, in denen seine Taten unentdeckt geblieben waren. 

Die Polizei hatte vor seiner Festnahme bereits Hinweise erhalten. Überlebende hatten Angriffe gemeldet. Es hatte weitere Vorfälle gegeben. Doch die Informationen waren bei unterschiedlichen Stellen gelandet und nicht zu einem Gesamtbild verbunden worden. 

Erst die menschlichen Überreste in den Abwasserleitungen führten die einzelnen Spuren zusammen. 

Der Fall zeigte damit eine beunruhigende Realität des Großstadtlebens: Ein Täter konnte über Jahre hinweg Menschen treffen, die kaum soziale Absicherung hatten, sie mit nach Hause nehmen und ihre Leichen verbergen, ohne dass ihr Verschwinden unmittelbar als Teil einer Serie erkannt wurde. 

Die später bekannt gewordenen Versäumnisse wurden in der britischen Öffentlichkeit entsprechend kritisch diskutiert. Zeitgenössische Berichte verwiesen darauf, dass die Polizei vor Nilsens Festnahme mehrfach mit Warnungen konfrontiert worden war. 

Der Mann hinter den Gittern 

Nilsen blieb Jahrzehnte im Gefängnis. 

1993 wurde ihm ein Fernsehinterview ermöglicht, in dem er über die Morde und den Umgang mit den Leichen sprach. Auch nach seiner Verurteilung beschäftigte er sich intensiv mit seiner eigenen Geschichte und schrieb über seine Vergangenheit. 

Seine späteren Äußerungen trugen dazu bei, dass der Fall immer wieder in den Medien auftauchte. Gleichzeitig blieb die Frage bestehen, wie viel Gewicht seinen eigenen Darstellungen beigemessen werden konnte. Seine Aussagen über die Zahl der Opfer hatten sich im Laufe der Jahre verändert. 

2004 beschäftigte sich auch die britische Justiz mit Nilsens Versuch, eine Autobiografie über seine Verbrechen zu veröffentlichen. Der Fall erreichte schließlich den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, wobei es unter anderem um seine Meinungsfreiheit und die Beschränkungen für Veröffentlichungen aus dem Gefängnis ging. 

Das Ende 

Am 12. Mai 2018 starb Dennis Nilsen im Alter von 72 Jahren im Gefängnis. Er hatte zu diesem Zeitpunkt mehr als 35 Jahre in Haft verbracht. 

Damit endete das Leben des Mannes, dessen Name seit den frühen 1980er-Jahren mit einer der bekanntesten Mordserien Großbritanniens verbunden war. Die Zahl der Opfer blieb weiterhin Gegenstand historischer und kriminalistischer Diskussionen. 

Fest stand, dass sechs Morde und zwei Mordversuche rechtskräftig festgestellt worden waren. Darüber hinaus hatte Nilsen selbst zahlreiche weitere Tötungen eingeräumt, von denen nicht alle eindeutig einzelnen Personen zugeordnet werden konnten. 

Was vom Fall Dennis Nilsen blieb 

Dennis Nilsen wurde in Schottland geboren, doch die Morde geschahen in London. Die Bezeichnung als schottischer Serienmörder beschreibt daher seine Herkunft, nicht den Schauplatz der Verbrechen. 

Seine Geschichte begann nicht mit einem spektakulären Polizeieinsatz und endete auch nicht mit einer klassischen Fahndung. Sie endete mit einem verstopften Abfluss. 

Jahrelang hatte Nilsen versucht, die Spuren seiner Taten aus seiner Wohnung zu entfernen. Er hatte Körper verborgen, Überreste verbrannt und Teile über die Toilette entsorgt. Doch gerade diese letzte Methode machte die Verbrechen sichtbar. 

Die Rohre konnten die Überreste nicht mehr aufnehmen. 

Als ein Mitarbeiter der Rohrreinigungsfirma menschliches Gewebe entdeckte, zerbrach die Fassade eines Mannes, der jahrelang neben seinen Nachbarn gelebt und nach außen ein unauffälliges Leben geführt hatte. 

Die Polizei brauchte danach nur wenige Stunden, um herauszufinden, dass hinter dem Abflussproblem nicht ein einzelner Todesfall stand, sondern eine Mordserie. 

Und hinter der Mordserie standen Menschen, deren Namen und Lebensgeschichten erst mühsam rekonstruiert werden mussten. 

Dennis Nilsen wollte die Spuren seiner Opfer verschwinden lassen. Am Ende waren es gerade diese Spuren, die ihn überführten. 

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