Charles Ng – Der kalifornische Albtraum
Eine investigative True-Crime-Reportage über Machtfantasien, verschwundene Menschen und die mühsame Suche nach Wahrheit
04.02.2026
Zusammenfassung & Show Notes
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Einstieg: Der Moment der Entdeckung
Der Rauch stand schwer in der Luft des kalifornischen Waldes nahe Wilseyville, als die Ermittler im Frühjahr 1985 begannen, das Gelände systematisch zu durchsuchen. Was zunächst wie eine routinemäßige Untersuchung wirkte, entwickelte sich rasch zu einem der verstörendsten Kriminalfälle der US-amerikanischen Nachkriegsgeschichte. Zwischen verkohlten Holzresten, improvisierten Hütten und im Erdreich verborgenen Metallfässern stießen die Beamten auf Hinweise, die auf systematische Gewaltverbrechen hindeuteten. Es waren Fundstücke, die nicht nur Fragen nach dem „Wie“, sondern vor allem nach dem „Warum“ aufwarfen – und die den Namen Charles Ng unauslöschlich mit einer Serie von Verbrechen verbanden, deren Ausmaß erst Jahre später vollständig erkennbar wurde.
Hintergrund Täter & Opfer
Charles Chit Kwong Ng wurde 1960 in Hongkong geboren. Seine Kindheit war geprägt von einem autoritären Vater, der Disziplin über Zuneigung stellte. Zeitzeugen beschrieben Ng als intelligent, aber emotional distanziert, früh fasziniert von militärischen Hierarchien und Machtstrukturen. In den späten 1970er-Jahren wanderte er in die Vereinigten Staaten aus und trat der US-Marine bei. Dort fiel er durch Regelverstöße, Diebstahl von Waffen und eine zunehmend paranoide Weltsicht auf. Nach seiner Desertion lebte er zeitweise in Kalifornien, ohne festen Wohnsitz, und lernte den deutlich älteren Leonard Lake kennen.
Lake, geboren 1945, hatte bereits eine Vorgeschichte mit Gewaltfantasien, Pornografie und der Ideologie männlicher Dominanz. Er betrachtete sich selbst als gescheiterten Elitesoldaten und entwickelte in Tagebüchern ein Weltbild, in dem Frauen und gesellschaftliche „Schwache“ als Besitz oder Ressourcen galten. In der Begegnung mit Ng fanden beide eine gefährliche ideologische Schnittmenge: den Wunsch nach absoluter Kontrolle, abgeschottet von gesellschaftlichen Regeln.
Die Opfer stammten aus unterschiedlichen Lebensbereichen. Darunter waren junge Paare, allein reisende Männer, Familien mit Kindern. Sie verband nichts außer dem Zufall ihrer Begegnung mit Lake und Ng. Viele galten lange Zeit als vermisst; ihre Schicksale blieben Angehörigen gegenüber ungeklärt, was den psychologischen Schaden über Jahre hinweg vertiefte.
Tatserie / Tatablauf
Zwischen 1984 und 1985 begingen Lake und Ng eine Serie von Entführungen, Misshandlungen und Tötungen, vor allem in Nordkalifornien. Ihr Rückzugsort war ein abgelegenes Grundstück in den Sierra Nevada, offiziell als Ferienhütte deklariert. Tatsächlich errichteten sie dort ein System aus unterirdischen Räumen, improvisierten Zellen und Lagern.
Das Tatmuster folgte einer kalten Logik. Opfer wurden durch Vortäuschung von Hilfsbedürftigkeit oder Freundlichkeit angelockt, überwältigt und festgehalten. Lake dokumentierte Teile der Taten akribisch auf Video und in schriftlichen Aufzeichnungen. Diese Dokumente wurden später zu zentralen Beweisstücken. Ng galt als aktiver Beteiligter, der nicht nur assistierte, sondern eigenständig Gewalt ausübte. Die genaue Zahl der Opfer konnte nie zweifelsfrei festgestellt werden; Gerichte gingen von mindestens elf getöteten Menschen aus.
Ermittlungen
Der Fall begann sich zu entfalten, als Leonard Lake im Juni 1985 bei einem Ladendiebstahl festgenommen wurde. Bei der Durchsuchung seines Fahrzeugs fanden Sicherheitskräfte einen Schalldämpfer und eine gefälschte Identität. Kurz darauf nahm sich Lake in Gewahrsam das Leben, indem er eine versteckte Giftkapsel schluckte. Sein Tod hinterließ ein Netz aus offenen Fragen – und lenkte den Fokus auf Charles Ng, der untergetaucht war.
Die Ermittlungen entwickelten sich zu einer internationalen Fahndung. Ng wurde 1985 in Kanada wegen eines weiteren Diebstahls festgenommen. Es folgten jahrelange juristische Auseinandersetzungen um seine Auslieferung an die USA. Verteidiger argumentierten mit Menschenrechtsbedenken und Verfahrensfragen. Erst 1991 wurde Ng nach Kalifornien überstellt. Die Ermittler arbeiteten sich währenddessen durch tausende Seiten an Tagebüchern, Videoaufnahmen und Zeugenaussagen, um die Taten zu rekonstruieren.
Prozess & Urteil
Der Prozess gegen Charles Ng begann 1998 und zählte zu den teuersten Strafverfahren in der Geschichte Kaliforniens. Ng verteidigte sich teilweise selbst, was zu erheblichen Verzögerungen führte. Beobachter beschrieben sein Auftreten als kontrolliert, mitunter spöttisch, ohne erkennbare Reue. Die Staatsanwaltschaft präsentierte eine erdrückende Beweislast: Videoaufzeichnungen, forensische Funde, Zeugenaussagen von Überlebenden und Experten.
Im Jahr 1999 wurde Ng in elf Mordfällen schuldig gesprochen. Das Gericht verhängte die Todesstrafe. Die Urteilsbegründung betonte die besondere Grausamkeit und die ideologisch motivierte Entmenschlichung der Opfer. Bis zu seinem Tod blieb Ng im Todestrakt von San Quentin.
Rückwirkungen / Reflexion
Der Fall Charles Ng warf weitreichende Fragen auf. Über die Rolle von Medien bei der Berichterstattung über Gewaltverbrechen. Über die Faszination des Bösen und die Gefahr, Täter durch Aufmerksamkeit zu mythologisieren. Ermittler und Psychologen nutzten den Fall, um über Radikalisierung in Isolation, über Machtfantasien und über die Warnzeichen extremer Gewaltbereitschaft zu diskutieren.
Für die Angehörigen der Opfer blieb vor allem eines: die jahrelange Ungewissheit, gefolgt von einer bitteren Gewissheit ohne Trost. Der Fall erinnerte daran, dass Verbrechen nicht nur Tatorte hinterlassen, sondern auch seelische Trümmerfelder. Und dass die Aufarbeitung, so gründlich sie auch sein mag, das Geschehene nie ungeschehen machen kann.