Serienmord & Wahnsinn

Wahre FĂ€lle. Wahre TĂ€ter. Wahnsinn pur.
Â đŸŽ™ïž Serienmord & Wahnsinn 

Tauche ein in die dunkelsten Tiefen der menschlichen Seele.
 In „Serienmord & Wahnsinn“ geht es um reale Verbrechen, die kaum zu begreifen sind – um Serienmörder, deren Namen sich unauslöschlich in die Geschichte eingebrannt haben, und um FĂ€lle, die bis heute verstören, erschĂŒttern und faszinieren. 

In jeder Episode rekonstruieren wir wahre KriminalfĂ€lle, beleuchten die Tatorte, die Opfer und die TĂ€ter. Wir analysieren Motive, Muster und Wahnsinn – und stellen die Frage: Was treibt einen Menschen dazu, zum Monster zu werden? 

Hier geht es nicht nur um Blut und Verbrechen, sondern um Psychologie, Macht, Obsession und Dunkelheit.
 Um das Böse – und das, was es in uns allen spiegelt. 

Ob berĂŒchtigte Serienkiller, ungelöste Mordserien oder außergewöhnliche EinzelfĂ€lle –
 hier hörst du die Geschichten hinter den Schlagzeilen. 

Authentisch. Schonungslos. Faszinierend. 

👉 Serienmord & Wahnsinn – Wahre FĂ€lle. Wahre TĂ€ter. Wahnsinn pur.
Der True-Crime-Podcast fĂŒr alle, die das Unfassbare verstehen wollen. 

Der Engel des Todes

Charles Cullen und die mörderische Routine im amerikanischen Gesundheitssystem

18.02.2026

Einstieg – Der Moment der Entdeckung

Es war ein kalter Dezembermorgen im Jahr 2003, als die Stille des Somerset Medical Center in New Jersey eine andere QualitĂ€t annahm. In einem nĂŒchternen Besprechungsraum saßen Krankenhausmanager, Juristen und Ermittler dicht beieinander. Auf dem Tisch lagen Personalakten, Medikamentenlisten, Laborprotokolle. Ein Name fiel immer wieder: Charles Cullen. Seit Monaten hatten sich Verdachtsmomente verdichtet, doch erst jetzt fĂŒgte sich ein Bild zusammen, das selbst erfahrene Ermittler erschĂŒtterte. Ein Krankenpfleger, der ĂŒber Jahre hinweg unbemerkt Patienten tötete – nicht aus Profit, nicht aus Rache, sondern aus einem inneren Zwang heraus. In diesem Moment begann offiziell die Aufarbeitung eines der grĂ¶ĂŸten SerienmordfĂ€lle der amerikanischen Medizingeschichte.


Hintergrund – Ein unscheinbares Leben

Charles Edmund Cullen wurde 1960 in West Orange, New Jersey, geboren. Seine Kindheit war geprĂ€gt von Verlust und InstabilitĂ€t. Der Vater starb frĂŒh, die Mutter wenige Jahre spĂ€ter. Cullen wuchs in Pflegefamilien auf, isoliert, still, von MitschĂŒlern als sonderbar beschrieben. SpĂ€ter trat er der US-Navy bei, absolvierte eine Ausbildung zum SanitĂ€ter. Auch dort fiel er durch Depressionen und Suizidversuche auf.

Nach seiner MilitĂ€rzeit begann Cullen eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Kollegen beschrieben ihn als ruhig, hilfsbereit, fast unsichtbar. Er arbeitete Nacht­schichten, sprang ein, wenn andere ausfielen, wirkte engagiert. Doch hinter dieser Fassade verbarg sich ein Mann mit schweren psychischen Problemen, darunter Depressionen, Persönlichkeitsstörungen und ein tief verwurzeltes GefĂŒhl der Wertlosigkeit.

Seine Ehe zerbrach, er lebte zeitweise in seinem Auto, verlor das Sorgerecht fĂŒr seine Kinder. In KrankenhĂ€usern fand er nicht nur Arbeit, sondern Macht: Zugang zu Medikamenten, zu schwachen, abhĂ€ngigen Menschen – und zu Situationen, in denen sein Handeln selten hinterfragt wurde.


Die Opfer – Namenlose Zahlen

Viele der Opfer blieben lange namenlos, reduziert auf Statistiken und Aktenzeichen. Es waren Ă€ltere Menschen, schwer Kranke, Intensivpatienten. Menschen, deren Tod nicht ungewöhnlich erschien. Genau das nutzte Cullen aus. Er verabreichte ihnen Überdosen von Medikamenten wie Digoxin, Insulin oder Adrenalin – Substanzen, die in kleinen Dosen heilen, in großen töten.

Die Angehörigen erhielten Todesnachrichten, die sie akzeptierten, weil sie plausibel klangen. Herzversagen. Komplikationen. Organversagen. Kaum jemand fragte nach. In der Welt der KrankenhÀuser stirbt man oft leise.


Tatserie – Ein Muster ĂŒber Jahre

Zwischen 1988 und 2003 arbeitete Charles Cullen in mindestens zehn verschiedenen KrankenhĂ€usern in New Jersey und Pennsylvania. Immer wieder wechselte er den Arbeitsplatz – hĂ€ufig nach internen AuffĂ€lligkeiten, MedikamentenfehlbestĂ€nden oder unerklĂ€rlichen TodesfĂ€llen. Doch statt die Behörden einzuschalten, stellten KrankenhĂ€user ihm wohlwollende Arbeitszeugnisse aus. Man wollte Skandale vermeiden, Prozesse verhindern, den eigenen Ruf schĂŒtzen.

Cullen nutzte dieses System. Er tötete nachts, in ruhigen Momenten, oft kurz vor Schichtende. Er mischte Medikamente in Infusionen oder injizierte sie direkt. Die Opfer starben schnell oder innerhalb weniger Stunden. In spĂ€teren GestĂ€ndnissen beschrieb er, er habe geglaubt, die Menschen von ihrem Leiden zu erlösen – eine Rationalisierung, die Ermittler als Selbstrechtfertigung werteten.

Chronologisch ließ sich eine Blutspur rekonstruieren: Mountainside Hospital, Warren Hospital, Lehigh Valley Hospital, Somerset Medical Center. Überall Ă€hnliche Muster, Ă€hnliche TodesumstĂ€nde. Doch erst als ein Apotheker ungewöhnliche Digoxin-Bestellungen bemerkte, kam Bewegung in den Fall.


Ermittlungen – Der lange Weg zur Wahrheit

Die Ermittlungen waren komplex. Digoxin zerfÀllt im Körper schnell, toxikologische Nachweise sind schwierig. Viele Leichen waren lÀngst eingeÀschert. Ermittler mussten Krankenakten vergleichen, Todeszeitpunkte analysieren, DienstplÀne auswerten. Ein zentrales Problem: Ohne GestÀndnis wÀren nur wenige FÀlle gerichtsfest gewesen.

Zwei Ermittler, die spĂ€ter öffentlich ĂŒber den Fall sprachen, bauten gezielt Vertrauen zu Cullen auf. In langen GesprĂ€chen, fernab von Konfrontation, erzĂ€hlten sie ihm, dass man ihn verstehen wolle. Schließlich begann Cullen zu reden. Ruhig, sachlich, fast erleichtert. Er gestand zunĂ€chst einige Morde, dann immer mehr. Am Ende sprach er von bis zu 40 Tötungen, möglicherweise mehr.

Die Behörden einigten sich auf einen Deal: Cullen erhielt lebenslange Haft ohne Aussicht auf BewÀhrung, im Gegenzug blieb ihm die Todesstrafe erspart und er half, offene FÀlle aufzuklÀren.


Prozess und Urteil – Ein leiser Abschluss

Der Prozess verlief ohne großes Spektakel. Kein emotionaler Ausbruch, keine reißerischen Szenen. Cullen bekannte sich schuldig zu mehreren Mordanklagen. Richter, StaatsanwĂ€lte und Verteidiger betonten die systemischen VersĂ€umnisse. Cullen selbst wirkte gefasst, beinahe erleichtert.

Das Urteil: Mehrere lebenslange Haftstrafen, die er in einem HochsicherheitsgefĂ€ngnis verbĂŒĂŸen musste. FĂŒr viele Angehörige war das kein Trost. Sie wollten Antworten, wollten wissen, warum ihre Liebsten sterben mussten. Viele Fragen blieben offen.


RĂŒckwirkungen – Ein System unter Anklage

Der Fall Charles Cullen löste eine breite Debatte aus. Über Kontrollmechanismen in KrankenhĂ€usern. Über Whistleblower-Schutz. Über die Verantwortung von Institutionen, die Warnsignale ignorierten. GesetzesĂ€nderungen folgten, Meldepflichten wurden verschĂ€rft, HintergrundĂŒberprĂŒfungen intensiviert.

Medien bezeichneten Cullen als „Angel of Death“, ein Titel, der zugleich fasziniert und verstört. Doch hinter dieser Zuschreibung stand kein dĂ€monisches Monster, sondern ein Mensch – und ein System, das ihn jahrelang gewĂ€hren ließ.

True-Crime-Formate, BĂŒcher und Dokumentationen griffen den Fall auf. Immer wieder stand dieselbe Frage im Raum: Wie konnte das geschehen? Die unbequeme Antwort lautete: Weil niemand genau hinsah.


Reflexion – Das leise Böse

Der Fall Charles Cullen zeigte, dass das Böse nicht immer laut ist. Manchmal trÀgt es Dienstkleidung, spricht leise, hilft anderen. Es lebt in Strukturen, die Wegsehen belohnen und Nachfragen sanktionieren. Die Opfer dieses Falls starben nicht nur durch eine Hand, sondern durch ein kollektives Versagen.

Am Ende blieb ein Name, der fĂŒr immer mit diesem Kapitel verbunden sein wird. Und eine Mahnung: Vertrauen ist im Gesundheitssystem unverzichtbar – Kontrolle ebenso.

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